Kepler hatte 12 Kinder, Kelvin keine, so eine Übersicht

Darwin hatte 10 Kinder, Lord Kelvin keine: Die Liste der Wissenschaftler und ihrer Nachkommen hält einer Prüfung im Einzelfall nicht stand, Kepler kommt auf rund 12.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kepler hatte 12 Kinder, Kelvin keine, so eine Übersicht
Die Kinder der Wissenschaftler: Kepler hatte 12, Kelvin keine

Wie viele Kinder hatte Charles Darwin wirklich? Zehn. Und Lord Kelvin? Keine. Die im Umlauf befindliche Liste, die rund zwanzig Größen der Wissenschaft mit Nachkommen versieht, fällt in sich zusammen, sobald man sie Fall für Fall prüft – und genau dort wird es interessant: Die Kinderzahl der Genies ist ein Minenfeld aus schlecht kopierten Daten, früh verstorbenen Kindern und außerehelichen Nachkommen, die Biografen erst Jahrzehnte später anerkannten.

Ausgangspunkt ist eine Tabelle, die die großen Namen der Wissenschaft nach Kinderzahl ordnet: Darwin vorn mit zehn, Santiago Ramón y Cajal mit sieben, Niels Bohr mit sechs, weiter unten Einstein, Hawking, Galileo und Crick mit je drei. Klingt nach Kaffeetafel-Wissen, hält aber einer genauen Prüfung nicht stand. Lord Kelvin hatte überhaupt keine Kinder; er war zweimal verheiratet, und sein Baronstitel erlosch mit ihm gerade deshalb. Und Kepler hatte, weit entfernt von den fünf Kindern, die ihm die Liste zuschreibt, vermutlich rund ein Dutzend aus seinen beiden Ehen – in einer Zeit, in der Kindersterblichkeit im 17. Jahrhundert die Regel war.

Das Problem, Kinder im 17. Jahrhundert zu zählen

Die Demografie der frühen Wissenschaft lässt sich nicht mit heutigen Maßstäben messen. Kepler hatte Kinder aus zwei Ehen, viele erreichten das Erwachsenenalter nicht; Goethe hatte fünf, nur einer, August, überlebte ihn. Mendelejew hatte nach den verlässlichsten Zählungen etwa sechs Kinder aus seinen beiden Ehen, Zwillinge inklusive. Das sind Zahlen, die je nach Quelle schwanken und die die ursprüngliche Tabelle so weit vereinfacht, dass Fehler entstehen.

Ein Detail verkompliziert die Bestandsaufnahme noch weiter. Schrödingers drei Töchter stammten alle aus außerehelichen Beziehungen, mit drei verschiedenen Frauen. Von Einsteins erster Tochter, Lieserl, verliert sich die Spur, als sie noch ein Säugling war. Die offizielle Biografie der Genies hatte schon immer ein Problem mit dem Kleingedruckten.

Von der Anekdote zur Debatte über Kinderkriegen

Das Gespräch drehte sich schnell zum eigentlichen Thema: ob Intelligenz und Nachkommen zusammengehören oder ob Kinderkriegen heute eine schlechte wirtschaftliche Entscheidung ist. Manche behaupten, früher war es klug, Kinder zu bekommen, heute ist es umgekehrt, andere entgegnen, dass Nachkommen bedeuten, Freiheit, Zeit, Erholung und Geld für fünfzig Jahre zu verpfänden. Das Gegenargument bleibt nicht zurück: Wer so denkt und sich nicht fortpflanzt, für den erledigt sich das Problem von selbst.

Verwirrend ist die Tatsache, dass die meisten Namen der Liste in Zeiten ohne Verhütungsmittel zahlreiche Nachkommen hatten, als Kinder ohne vorherige Planung kamen. Das mit einer geplanten Entscheidung des 21. Jahrhunderts zu vergleichen, ist ein Trick. Und trotzdem bleibt die eigentliche Frage unbeantwortet: Machen Kinder ärmer, oder verändern sie nur die Reihenfolge der Prioritäten?

Am Ende ist die exakteste Wissenschaft der ganzen Aufstellung die von Lord Kelvin: null Kinder und ein erloschener Adelstitel. Ein tadelloses thermodynamisches Vermächtnis und Nachkommen, die nie existierten.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (29 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver