Katalonien: Straßensperren und Mossos-Gewerkschaft attackiert Torra

Blockaden der AP-7, Angriffe auf Gerichte und eine Gewerkschaft der Mossos d'Esquadra, die Quim Torra beschuldigt: Ein Konflikt, der zum täglichen Routinezustand geworden ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Katalonien: Gesperrte Straßen, angegriffene Richter und eine desavouierte Regionalregierung

Ein Lastwagen tuckert langsam durch die Blockade der AP-7 in La Jonquera, mit voller Ladung und verlorener Arbeitszeit. Es ist das Bild, das sich jedes Mal wiederholt, wenn eine Gruppe von Demonstranten entscheidet, den wichtigsten Güterkorridor zwischen Spanien und dem übrigen Europa zu blockieren. Seit dem Urteil im Oktober 2019 über den Katalonien-Konflikt (Procés) häufen sich in Katalonien Mobilisierungen, die nicht mehr als einmaliger Ausbruch gelesen werden können: Straßensperren, Kundgebungen vor Gerichtssitzen und Boykotte politischer Veranstaltungen, die sich fast täglich wiederholen. Die Neuigkeit ist nicht der Protest selbst. Die Neuigkeit ist seine Verwandlung in Routine.

Der Auslöser: Das Urteil im Procés-Fall und ein Herbst auf der Straße

Die Berufsvereinigung der Richter (Asociación Profesional de la Magistratura) meldete, dass die Gerichte in Girona mit Müllsäcken und Farbe angegriffen wurden, die gegen den Eingang geworfen wurden. Stunden zuvor hatten Demonstrantengruppen versucht, Veranstaltungen der PSC (Sozialistische Partei Kataloniens) in Terrassa und Esparreguera zu boykottieren, und nach verbreiteten Nachrichten wurde ein Schuhunternehmer am Eingang einer Veranstaltung der Fundación Princesa de Girona angegriffen. Parallel dazu führte die von Tsunami Democràtic (pro-independente Bürgerbewegung) initiierte Aktion an der Mautstelle Irún der Autobahn A-8 zu Staus von bis zu 11 Kilometern, laut der Verkehrsbehörde der Baskischen Regierung.

Das Repertoire wiederholte sich mit wenigen Varianten: Verbrennen institutioneller Fotos – inklusive Pose für soziale Medien –, Sperren von Verkehrswegen und eine Inszenierung, die politische Parolen mit Inhalten für Netzwerke mischte. Die Rechnung dieser Tage zahlten nicht die Organisatoren. Sie zahlten diejenigen, die zur Arbeit mussten, auf Ware warteten oder einfach nur aus der Stadt wollten.

In diesem Klima kursierte auch die nie bestätigte Zuschreibung, dass bestimmte Persönlichkeiten hinter der Plattform standen, die diese Aktionen koordinierten. Der Verdacht verbreitete sich schneller als jede gerichtliche Entscheidung.

Warum beschuldigt eine Mossos-Gewerkschaft Torra, die Polizei als politisches Werkzeug zu missbrauchen?

Eine unabhängige Gewerkschaft der Mossos d'Esquadra (katalanische Regionalpolizei) sandte einen Brief an den Präsidenten der Generalitat (katalanische Landesregierung), in dem sie sein Misstrauen gegenüber der Truppe kritisierte und ihn beschuldigte, sie als politisches Instrument zu nutzen. Der Text forderte, dass jeder verletzte Beamte „mit allen verfügbaren Mitteln“ verteidigt werde, und warnte, dass es bis dahin kein Gespräch geben würde. Das Schreiben kam nach Tagen der Unruhen in Barcelona mit verletzten Beamten.

Der Unmut war nicht nur rhetorisch. Bei den Blockaden der AP-7 in Girona warteten Verstärkungseinheiten laut kursierenden Nachrichten auf die Räumungsorder, während die politische Anweisung ausblieb, und diese Verzögerung wurde zum Kern des Vorwurfs. Die häufigste Lesart: Wenn die Investitur (Regierungsvereidigung) von den Unabhängigkeitsparteien abhing, würde niemand eine ordnungsgemäße Durchgreifaktion genehmigen. Die Kritik richtete sich gegen das Innenministerium, dem vorgeworfen wurde, die Bereitschaftspolizei zurückzuhalten, um die parlamentarischen Partner nicht zu verärgern.

Am selben Tag behauptete eine in Barcelona verbreitete Nachricht, dass eine Einheit der Guardia Urbana (städtische Polizei) intern ihre Ablehnung einer Intervention bei der Blockade der Meridiana wegen des Risikos eines offenen bürgerlichen Konflikts ausdrückte. Das Argument war unbequem: Wenn die Stadtpolizei durchgreifen würde, hörte der Konflikt auf, ein Problem der öffentlichen Ordnung zu sein, und würde zu einem politischen Streit mit Nachbarn, die auf derselben Seite stehen.

Darunter zirkulierten Nachrichten, die später bekannt wurden. In einem Chat lokaler Polizisten aus Cancelar tauchten Kommentare auf, in denen harte Maßnahmen gefordert und eine nuancenlose Reaktion auf die Proteste gewünscht wurden; jene, die sie verbreiteten, präsentierten sie als Zeichen einer extremen Spannung innerhalb der Korps. Ein Teil behauptete zudem, dass interne Verfahren gegen Beamte eingeleitet wurden, was als Hexenjagd gegen nicht-unabhängigkeitsorientierte Profile interpretiert wurde.

Wer bezahlt die Blockade der katalanischen Straßen?

Die Blockade schneidet nicht nur Straßen ab: Sie schneidet Korridore ab. Und dort wiegen Zahlen mehr als Slogans. Die AP-7 ist die wichtigste Verbindung nach Mitteleuropa und Frankreich, aber nicht die einzige; die N-II, mit Abschnitten von nur einer Spur pro Richtung, sowie die Übergänge Puigcerdà-Bourg-Madame, Andorra-Pas de la Casa und Vall d'Aran-Melles haben Abschnitte, die keinen Schwerlastverkehr zulassen, bevor man an die französische Autobahn anschließen kann. Übersetzt: Wenn die Blockade installiert ist, gibt es keinen realen Plan B für Tausende von LKW.

Die Blockaden vervielfachten sich. Die Meridiana war unterbrochen und erschwerte den Weg zur Arbeit und zurück für Tausende von Menschen, während Sociedad Civil Catalana (bürgerlich-konservative Organisation) als Antwort Sperrungen der Vallvidrera-Tunnel ankündigte. Im Zentrum Barcelonas war der Passeig de Gràcia für den Verkehr gesperrt und konnte nur quer überquert werden, mit einem Fahrzeug der Guardia Urbana an jeder Kreuzung. Der Bericht eines Live-Zuschauers beschrieb eine Stadt, die durch Kontrollen an jeder Ecke in zwei Teile geteilt war.

Die wirtschaftliche Konsequenz ist keine Schlagzeile, sondern eine Summe täglicher Kosten: verspätete Lieferungen, verlorene Fahrerstunden, verderbliche Ware und ein Ruf in der Logistik, der sich jedes Mal verschlechtert, wenn ein Korridor zum Schauplatz des Protests wird. Im Fall der Fahrzeuge, die per Abschleppwagen über die Grenze gebracht wurden, bezifferte eine Berechnung, die unter Beobachtern jener Tage kursierte, die Kosten für die Rückholung des Autos auf 700 Euro.

Die internationale Erzählung und das Video, das aus Südkorea stammte

Die Strategie, den Konflikt in die internationalen Medien zu tragen, hat ihren eigenen Preis. Eine Nachrichtenagentur veröffentlichte die Schlagzeile eines inhaftierten Führers, der warnte, dass das Urteil Dissidenz kriminalisieren könnte, eine Perspektive, die in Spanien Ärgernis erregte und in Katalonien die Idee nährte, dass die Welt zuschaut. Das Problem ist, dass die Welt weniger aufmerksam zuschaut, als ihr zugeschrieben wird.

Die Verbreitung falsch attributer Videos war die andere Seite. Ein Clip, der als Polizeieinsatz in Deutschland bei einer Demonstration präsentiert wurde, entpuppte sich laut Denunzierenden als Training der südkoreanischen Polizei und war mehrere Jahre alt. Dieses Detail erklärt, warum Propaganda auf beiden Seiten leicht zusammenbricht, wenn jemand eine Rückwärtssuche durchführt.

Die am meisten geteilte Analyse deutete auf einen grundlegenden Diagnosefehler hin: Jahrelang ging man davon aus, dass internationaler Druck eine Vermittlung erzwingen würde und dass es ausreichen würde, Verletzte und Festnahmen zu zeigen, damit Drittstaaten intervenieren. Als dies nicht geschah, hörte die Internationalisierung auf, ein Hebel zu sein, und blieb eine Kommunikationslinie. Die Theorie des Schwarzen Schwans – eines unvorhergesehenen Ereignisses, das den Prozess wieder eröffnen könnte – ersetzte jeden Fahrplan.

Vom 10-N bis zur Lockdown-Phase: Dem Konflikt ging der Treibstoff aus

Die Wahl vom November 2019 ordnete das Schachbrett neu. Einige lasen das Ergebnis als Bestrafung des Separatismus; andere als Beweis, dass der Block unverändert blieb. Tatsache ist, dass die parlamentarische Arithmetik die Regierbarkeit in die Hände der katalanischen Parteien legte, mit der Paradoxie, dass die Straße dieselbe Regierung unter Druck setzte, von der die Investitur abhing.

Dann kam etwas Unerwartetes: die erste Welle von ELbichito-19. Der Lockdown leerte die Straßen und ließ die Angelegenheit monatelang ruhen. Als der Puls wieder aufgenommen wurde, hatte sich die Agenda geändert. Man sprach über die Freilassung der inhaftierten Führer – vier Monate nach dem Urteil, laut einer der häufigsten Lesarten – und über die Entscheidung der Generalitat, die dies ermöglichte. Der Vorwurf, die Justiz zum Gespött zu machen, kursierte, ohne dass jemand ihn mit Daten widerlegte.

Vor dem Hintergrund der Pandemie verlor der Protest seine Funktion des unmittelbaren Drucks. Es gab keine Investitur mehr, die auf dieselbe Weise konditioniert werden musste, und keine Wahlen in Sicht. Das Repertoire existierte weiter, aber das Gefühl der Dringlichkeit verflüchtigte sich.

Verliert der Protest an Kraft oder ändert er nur seine Form?

Es hängt davon ab, wen man fragt. Manche behaupten, dass die separatistische Mobilisierung zu einer sehr aktiven Minderheit geworden ist – „vier Katzen“, die viel Lärm machen, in der häufigsten Formulierung – und dass Kälte oder Regen ausreichen, um sie zu reduzieren. Andere antworten, dass es ein methodischer Fehler sei, den Konflikt anhand der Teilnehmerzahl bei einer Veranstaltung zu messen, weil die Fähigkeit, eine Straße zu blockieren, nicht von der Zahl abhängt, sondern von der Bereitschaft, es zu tun.

Interne Reibereien lieferten Munition für die erste These. Der Führer der ERC (Republikanische Linke Kataloniens) soll die Organisatoren gebeten haben, die zentrale Veranstaltung seiner Partei nicht zu unterbrechen, laut verbreiteten Informationen, mit der Warnung, dass seine Kinder teilnehmen würden. Die Bitte, formuliert als Flehen, wurde als Eingeständnis der Ohnmacht gelesen: Wer jahrelang den Druck auf der Straße legitimiert hatte, bat schließlich seine eigenen Leute um Waffenstillstand.

Am anderen Ende zogen die staatsweiten Parteien ihre eigene Schlussfolgerung aus der Untätigkeit der Polizei und den Blockaden, überzeugt, dass jede Blockade ihnen Stimmen brachte. Und neue Fronten tauchten auf: die juristische Debatte darüber, wie Handlungen denen zugeordnet werden sollen, die sie nicht materiell ausgeführt haben, und die Vorhersage, dass die nächsten großen Versammlungen nicht separatistisch, sondern von anderen unzufriedenen Gruppen sein werden.

Bleibt die unbequeme Zahl, die des Zählers. Die große verfassungstreue Demonstration im November dieses Jahres wurde auf 80.000 Teilnehmer geschätzt, und nach der kursierenden Arithmetik verwandelt sich diese Zahl je nachdem, wer den Zähler bedient und von welcher Seite der Wind weht, in 160.000 oder halbiert sich. Mit dieser Messmethode passt jede Bilanz und kein Konflikt wird abgeschlossen. Es ist wahrscheinlich die beste Beschreibung der Sache: ein Konflikt, den niemand gewinnt, den niemand ganz organisiert und den niemand jemals auflöst.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (8343 Antworten).

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