Warum Wein aus dem spanischen Alltag verschwindet
Wein ist in Spanien nicht mehr das tägliche Getränk. Das Glas zum Steak oder Käse beim Mittagessen wurde Generation für Generation seltener; Rotwein musste Platz machen für Bier, zuckrige Limonaden und oft auch für die Entscheidung, gar nichts zu trinken. Im Supermarkt fiel der Traubenpreis auf 4,50 Euro pro Kilo, während eine einfache Flasche Rotwein selten über 3 Euro ging. Die Kluft zwischen Alltagswein und hochpreisigen Etiketten ist enorm gewachsen.
Das Ritual, den Konsum stützte, stammt aus einer anderen Zeit: zwei arrobas (ca. 25 Liter) Wein monatlich, mehr als dreißig Liter im Monat von einem Schluck, den die Gruppe vor dem Heimweg leerte. Für diesen Trinker gibt es kaum Nachfolger. „Der Most zählt, der Wein nicht“, fasst eine Strömung zusammen, die behauptet, Wein sei eher ein Produkt für formelle Abendessen als für den Alltag geworden.
Warum trinken junge Leute keinen Wein mehr?
Weil sich Geschmack und Budget geändert haben. Wo der Vater vor dem Essen einen trockenen Rotwein trank, bestellt der Sohn Bier – als bekömmlicher, leichter verdaulich und geselliger wahrgenommen. Manche weisen darauf hin, dass diese Lücke durch Getränke mit 120 Gramm Zucker pro Dose gefüllt wurde, ein Tausch, der nicht unbedingt besser abschneidet.
Die häufigste Diagnose betrifft Preis und Verfügbarkeit. Ein Teil der Branche argumentiert, dass der billige Wein, der früher lose und ohne Ansprüche verkauft wurde, verschwunden ist und dem Durchschnittskonsumenten keine vernünftige Option zwischen Großflasche und Premium-Etikett lässt. Bier hingegen schmeckt vielen angenehmer und führt laut Befürwortern zu weniger schweren Kopfschmerzen am nächsten Tag. Schwer, dagegen anzukämpfen.
Wer allein zu Hause trinkt, steht vor einem praktischen Problem: Eine angebrochene Flasche wird schnell sauer. Daher der oft gegebene Rat, ein Gerät für zehn Euro zu kaufen, das Luft entfernt und den Wein vakuumiert, oder die Gewohnheit, die Flasche am selben Tag leer zu trinken und unterwegs vom Fass zu bestellen. Dies sind hausgemachte Lösungen für einen Konsum, der nicht mehr trägt.
Premium-Wein versus Standard-Wein
Eine der am häufigsten genannten Erklärungen betrifft die Produktion. Vor Jahrzehnten ging fast jede Traube in den Alltagswein. Heute sortieren Weingüter die besten Trauben für ihre teuren Flaschen aus und verwenden den minderwertigeren Teil für die unaufwendigen Abfüllungen. Das Ergebnis ist eine Pyramide, in der guter Wein zur Laune geworden ist und der erschwingliche Bereich an Qualität eingebüßt hat.
Diese Aufteilung erklärt, warum viele Menschen, die schwören, sie mögen keinen Wein, vielleicht nie einen mit mindestens etwas Reife probiert haben. Wenn man nur billigen Rotwein kennt, wirkt er herb und hinterlässt ein pelziges Mundgefühl. Nicht der Wein selbst wäre das Problem, sondern die konkrete Sorte, die gekauft wird.
Warum polarisiert Lambrusco so stark?
Weil es zwei Sichtweisen gibt, die sich nicht annähern. Für manche ist es ein alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk, kalt und süß, verbunden mit einem bestimmten Milieu. Für andere ist es die ehrlichste Lösung im Sortiment: Für den Preis und was geboten wird, passt gut gekühlt zu fast allem. Die Debatte ist keine enologische, sondern eine soziale und erstreckt sich auf jeden Rotwein, den jemand als würdig verteidigt.
Ähnliches gilt für Wein allgemein. Manche sehen ihn nur als Begleiter langer Gespräche nach dem Essen, andere verteidigen ihn als die gesündeste Alkoholoption unter Verweis auf seine Präsenz in der griechisch-römischen Tradition und der Bibel. Zwischen diesen Lagern sinkt der tatsächliche Konsum, und die gesellschaftliche Liturgie des Rotweins erlischt, ohne dass jemand sie klar ersetzt.
Haro, Weingüter und das Geschäft mit dem Enotourismus
Wo Wein tatsächlich an Wert gewinnt, ist bei Besuchen. Weingüter haben Verkostungen in Erlebnisse verwandelt, inklusive Rundgängen, Tapas und Hotels, mit Personal, das Englisch spricht, und Kunden, die bereit sind, Kartons für den Versand nach Hause zu bestellen. Das Geld liegt nicht mehr darin, dass der Gast vor dem Essen ein halbes Dutzend Gläser trinkt, sondern darin, dass er dafür bezahlt, die Herstellung zu sehen.
Diese Umstellung hat eine weniger freundliche Seite. Wer für den Ausschank und die Großflasche produzierte, fällt aus dem neuen Raster. Die großen Trinker von Alltagswein sind ohne Nachfolger ausgestorben, und neue Generationen nehmen ihren Platz nicht ein. Das Geschäft professionalisiert sich, während die populäre Weinkultur erlischt, und die offizielle Branchenrhetorik spricht lieber von Qualität als von verlorenem Volumen.
Barrique, Vanille und überextrahierter Tempranillo
Ein weiterer Kritikpunkt richtet sich gegen den Geschmack spanischer Weine. Der Trend zu langen Reifungen und exzessivem Eicheinsatz hat Rotweine hervorgebracht, die von süßen Aromen übersättigt sind, wobei die Frucht unter Schichten von Holz und etwas zu viel Alkohol begraben liegt. Der Tempranillo, nie eine außergewöhnliche Sorte, wäre völlig maskiert worden. Was ausländische Gaumen belohnen, könnte genau das sein, was den Nachbarn abschreckt.
Im Weinberg herrschen die üblichen Klagen: gerodete Rebstöcke, verschwindende Landschaften, unpassende Preise und, unter undokumentierten Verdächtigungen, Pläne zur Umwidmung von Agrarland. Die Sehnsucht nach dem großen Baum und dichtem Schatten gegenüber der monotonen Reihe von Weinbergen ist das älteste Argument in dieser Debatte, auch wenn es wegen Wiederholung nicht weniger wahr wird.
Mit diesen Voraussetzungen würde der Wein als Alltagsgetränk seinen Rückgang fortsetzen, während der Enotourismus den profitablen Teil des Kuchens abgreift. Es bleibt abzuwarten, ob die Bar ihn wieder auf die Tafel schreibt oder ob der Rotwein endgültig zum Postkartenmotiv wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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