Jorge Martínez, Frontmann von Ilegales, stirbt mit 70

Jorge Martínez, Anführer der spanischen Punk-Band Ilegales, starb im Alter von 70 Jahren an Krebs. Er hinterlässt zwanzig ausgefallene Konzerte und ein neues Album.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Jorge Martínez, Frontmann von Ilegales, stirbt mit 70
Jorge Martínez: Der Punk, der sich nie domestizieren ließ

Jorge Martínez, der Kopf der Band Ilegales, ist im Alter von 70 Jahren nach einer Krebserkrankung gestorben, die ihn innerhalb von zweieinhalb Monaten dahingerafft hat. Im September hatte er selbst bekanntgegeben, dass er seine Tour unterbricht, um eine Behandlung zu beginnen. Zwanzig Konzerte zwischen September und Dezember sowie das frisch veröffentlichte Album Joven y arrogante (Jung und arrogant) standen aus. Die Nachricht traf sowohl jene, die mit seinen Songs aufgewachsen sind, als auch die Kritiker seiner Person wie ein Schlag ins Gesicht.

Was geschah und wann wurde es bekannt?

Das offizielle Statement bestätigte ohne Umschweife, dass eine Krankheit einen Mann niedergestreckt hat, der unzerstörbar schien. Jorge Martínez, Seele und tierischer Instinkt von Ilegales, war 70 Jahre alt. Die Tournee zur Promotion seines letzten Albums fiel ins Wasser, und die geplanten zwanzig Auftritte in den Monaten September bis Dezember werden nie stattfinden. Die Band hatte gehofft, nach der Besserung ihres Sängers wieder aktiv zu werden. Es gab keine Zeit dafür.

Die Karriere des Musikers begann lange vor dem Punk. Noch während der Franco-Diktatur löste er den damals für Auftritte verpflichtenden Musikerpass und startete in Orchestern. Er studierte Jura, brach aber ab. Mit 20 verließ er das Elternhaus. Seine erste ernsthafte Band, Madson, gründete er um 1977 zusammen mit seinem Bruder Juan. Schon damals fiel sein provokanter Stil auf: „Rauch kein Gras und diesen Scheiß-Hasch, weißt du, Heroin haut dich mehr“, lautete eine Zeile jener Texte.

Das Vermächtnis: Texte, die heute nicht durchgehen würden

Ein Konsens herrscht darin, dass Ilegales eine Band war, die sich nichts verbarg. Ihre Songs handelten von sens Problemen, imaginären Spionen und Provokationen, die heute als Skandal gelten würden. Ein Kommentar fasst den Kontrast zusammen: „Kann sich jemand vorstellen, dass eine Band, angeführt von einem Typen mit verrückter Miene, heutzutage in einer Schule auftreten würde und Kindern Sätze wie ‚Ich habe ein sens Problem‘, ‚Heil Hitler!‘ oder ‚Ich spioniere die Spiele der Kinder aus‘ entgegenschleudert?“. Die implizite Antwort lautet: Nein. Das war ein anderes Land.

Die Diskussion über seine Person spaltet sich in zwei Lager. Für manche war er ein großer Künstler ohne Abstriche: „Eines der Besten der spanischen Musik und ein großartiger Mensch“. Für andere war er eine unbequeme Figur, die sich den Pandemiekonsensen fügte. Das Etikett des „domestizierten Rockers“ taucht mehrfach auf, stets verbunden mit seiner öffentlichen Haltung zu Impfungen und Lockdowns. Sein Tod durch Krebs wurde in diesem Kontext von einigen als Bestätigung ihrer Zweifel gedeutet. Dafür gibt es keinen Beweis. Krebs unterscheidet nicht zwischen Gehorsamen und Rebellen.

Die Persönlichkeit: Gebildet, unberechenbar, gefährlich

Wer ihn kannte, beschrieb ihn als schwer einzuordnen. Superintelligent und freundlich, aber gleichzeitig ein harter Hund, fasst jemand zusammen, der ihm in Asturien begegnete. Er konnte gebildet über Kunst, Geschichte oder die Formationen römischer Legionen sprechen und plötzlich umschalten, bis er allein mit Flaschenwürfen dastand. Es war keine Pose. So war er.

Zugesprochen wird ihm auch ein wohlhabender familiärer Hintergrund: Sohn eines Richters im Spanien Francos, ein verwöhntes Kind aus Oviedo, das sich als Rebell ausgab, während es finanziell abgesichert war. Diese Paradoxie schmälerte nicht die Qualität der Songs, nährte aber den Verdacht, dass die Figur mehr Konstruktion als Realität war. Seine Verteidiger antworten mit dem üblichen Argument: Kunst wird nicht an der Biografie des Autors gemessen.

Was bleibt: Eine Generation, die älter wird

Der Tod von Jorge Martínez diente mehr als nur zum Durchblättern seiner Diskografie. Er führte dazu, dass viele zurückblickten und erzählten, wie es war, in den Achtzigern aus Bars zu kommen. Im selben Bar liefen Ilegales, Leño, Los Suaves, Eskorbuto; im nächsten The Smiths, New Order, Cocteau Twins; im darauffolgenden Triana, Los Chunguitos, Camarón. Danach ging man in die Diskothek. Das Gefühl, dass das Leben vor einem ewig sei.

Heute gehört diese Generation zur Altersgruppe der Fünfzig- bis Sechzigjährigen. Und sie beginnt, ihre Vorbilder zu begraben. „Wir merken, dass uns, egal wie gut es läuft, viel weniger Zeit bleibt, als wir bereits gelebt haben“, schreibt jemand, der die allgemeine Stimmung zusammenfasst. Es ist keine Klage über Jorge Martínez allein. Es ist eine Klage über alle.

Die Band stellte ihr Album von 2025, Joven y arrogante, vor und hoffte, die Tournee nach der Besserung ihres Sängers fortzusetzen. Aber der Krebs...



Jorge Martínez hinterlässt einen Katalog, der nicht mit der Feierlichkeit anderer Zeitgenossen neu aufgelegt wurde, und eine Biografie, die niemand vollständig domestizieren konnte. Mit diesen Voraussetzungen ist es wahrscheinlich, dass seine Figur in den kommenden Jahren wächst, dass seine Texte mit mehr Abstand und weniger Empörung gelesen werden und dass der spanische Punk weiterhin vergeblich nach einem Nachfolger sucht. Obwohl, bei ihm sollte man sich auch nicht auf das Erwartbare verlassen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).

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