Japan: Kinder brauchen so lange zum Leselernen, dass Sendungen untertitelt werden

Warum brauchen japanische Kinder Untertitel in ihrer eigenen Sprache? Das komplexe japanische Schriftsystem mit Kanji und zwei Silbenschriften erfordert jahrelanges Lernen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Japanisch: Die Sprache, die Untertitel für ihre eigenen Kinder braucht

1975 zeigte die Animeserie Grendizer einen Titel in Kanji, der von japanischen Kindern nur mit einer „Untertitelung" in Hiragana verstanden werden konnte. Das Bild, aus einem Forum geborgen, spiegelt ein Paradox wider: eine Gesellschaft, die Jahre damit verbringt, ein Schriftsystem zu lernen, das nicht einmal ihre Muttersprachler bis zur Adoleszenz beherrschen. Es ist kein Meme, es ist eine Tatsache: Japanische Kinder können erst mit 10-12 Jahren vollständig lesen, so Bildungsstudien, weil sie Tausende chinesische Schriftzeichen (Kanji) plus zwei phonetische Silbenschriften auswendig lernen müssen. In Spanien liest ein 7-jähriges Kind dagegen schon ohne Hilfe. Die Frage, die sich stellt: Ergibt es Sinn, an einem Schriftsystem festzuhalten, das ein Jahrzehnt Studium erfordert, um funktionsfähig zu sein?

Drei Systeme, ein Wahnsinn

Das geschriebene Japanische kombiniert drei Schriften: Hiragana (für einheimische Wörter), Katakana (für Fremdwörter) und Kanji (chinesische Ideogramme). Die ersten beiden sind Silbenschriften mit je etwa 50 Zeichen, in Monaten erlernbar. Aber Kanji erfordert die Kenntnis von 4000 bis 5000 Zeichen, um eine Zeitung zu lesen. Kinder verwenden Furigana (kleine Hiragana-Zeichen über den Kanji) in Büchern, bis sie die Symbole auswendig können. Wie im Grendizer-Titel: Das Kanji erschien mit seiner phonetischen Lesung darüber. Eine Lösung, die manche wegen ihrer Ineffizienz als „unfässig" bezeichnen.

Der Vergleich mit China fällt nicht besser aus: Das Mandarin verwendet ebenfalls Schriftzeichen, allerdings ohne Hilfssilbenschriften, was das Lernen noch verlängert. Korea hat dagegen die chinesischen Zeichen zugunsten von Hangul aufgegeben, einem phonetischen Alphabet, das in Tagen erlernbar ist. Die Japaner halten jedoch aus Tradition am Kanji fest und um Mehrdeutigkeiten zu reduzieren: Die Sprache hat viele Homophone, und die Schriftzeichen helfen, Bedeutungen zu unterscheiden. „Ohne Kanji wäre es Chaos", sagen die einen; „es ist ein kultureller Ballast", erwidern die anderen.

Der Preis der Komplexität

Die Zeit, die in Japan auf die Lese- und Schreibfähigkeit verwendet wird, ist unverhältnismäßig. Während ein Spanier die Rechtschreibung in wenigen Jahren beherrscht, verbringt ein Japaner seine Kindheit mit dem Auswendiglernen von Strichen. Manche argumentieren, dass sich dieser Aufwand nicht in besseren Lesefähigkeiten niederschlägt, sondern in einer Barriere für die allgemeine Alphabetisierung darstellt. Tatsächlich ist die funktionale Analphabetismusquote in Japan nicht niedrig, auch wenn die offiziellen Daten dies verschleiern. Das System fördert zudem Elitismus: Wer die Kanji nicht beherrscht, wird aus bestimmten Bereichen ausgeschlossen.

Am entgegengesetzten Pol zeigen die Einfachheit des Spanischen und des koreanischen Hangul, dass einfache Schrift möglich ist, ohne Ausdrucksreichtum zu verlieren. „Wo Spanisch doch so leicht ist...", spottet ein Kommentator und kontrastiert damit die Komplexität des Japanischen. Andere weisen darauf hin, dass auch das Spanische seine Eigenheiten hat, wie die Verbkonjugationen, die Japaner zur Verzweiflung bringen. Aber die eigentliche Frage ist, ob die Tradition ein System rechtfertigt, das das Lernen verlangsamt.

Die Zukunft der Schrift

Die Technologie könnte das Problem lösen: E-Reader und KIs bieten bereits automatische phonetische Transkription an. Manche prognostizieren, dass in wenigen Jahren „nur noch 10% mehr als einen Wortschatz von 100 Wörtern lernen werden". Doch der kulturelle Widerstand ist heftig. Derweil werden auf japanischen Tastaturen die Laute in Hiragana eingegeben und die Software wandelt sie in Kanji um – ein Prozess, der Ausländer wie ein digitales Zungenbrecher vorkommt.

Die letzte Frage: Ist Kanji ein Identitätsmerkmal oder ein Ballast? Die Debatte hat keine einfache Antwort, aber das Bild des Kindes, das Grendizer mit Untertiteln in seiner eigenen Sprache sieht, bleibt die beste Metapher für ein System, das, weil es so tiefgründig sein wollte, undurchdringlich wurde.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (34 Antworten).

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