Hypergamie als Handbuch: der Dating-Markt als Auktion betrachtet
Ein 1,90 Meter großer Körper garantiert nichts. Ein kleinerer Mann mit mehr Charakter kann sich auf dem Dating-Markt besser bewegen als der Größte im Raum, so die Analyseströmung, die derzeit in den männlichen Ecken des Internets wieder kursiert. Der Streit darüber, was jemanden zum „Alpha" macht und was ihn zum „Beta" verdammt, führt zu einem unbequemen Schluss für alle, die nur in den Spiegel schauen: Die Haltung wiegt mehr als die Körpergröße, und die Regeln —immer nach dieser Lesart— setzt die Hypergamie.
Das Konzept ist nicht neu. Das sogenannte Briffaultsche Gesetz, formuliert vom Anthropologen Robert Briffault in seinem Essay „The Mothers" von 1927, besagt, dass das Weibchen —auch der Mensch— seinen Partner nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung wählt und hält: Status, Sicherheit, Versorgungsfähigkeit. Fast alles, was danach wiederholt wird, nimmt dort seinen Anfang.
Was besagt das Briffaultsche Gesetz über die Partnerwahl?
Die These, ohne Schnörkel zusammengefasst, lautet: Die Partnerwahl ist nicht romantisch, sondern buchhalterisch — jede Seite wägt ab, was sie gewinnt und was sie riskiert. In ihrer populärsten Version bedeutet das: Frauen suchen nach oben, Männer nach unten oder seitwärts. Auf den Alltag angewandt, erklärt sie alles davon, wer beim Abendessen zahlt, bis hin dazu, warum eine Beziehung hält, solange ein Vorteil besteht, und zerbricht, wenn er verschwindet. Sie ist der Kern der Hypergamie, wie sie verbreitet wird.
Auf der Gegenseite fehlt es nicht an Einwänden: Ein ganzes Leben auf eine Tabellenkalkulation zu reduzieren, sei eine Abkürzung. Manche bleiben aus Gewohnheit, aus Angst oder schlicht aus Zuneigung, und keine dieser Gründen passt ins Modell.
Das Alpha ist nicht der Stärkste: der Streit um die Definition
Hier liegt die interessanteste Wendung. Gegen das Stereotyp des Muskelprotzes vertritt ein Teil der Debatte genau das Gegenteil: Entscheidend für die Anziehung sei nicht der Körper, sondern die Haltung und die Fähigkeit zur Führung. Es werden Fälle von kleinen Männern zitiert, weit ab vom Idealbild, die sich auf dem Markt besser schlugen als der jeweilige Schönling. „Ein hübscher, muskulöser 1,90-Meter-Typ kann ein Beta sein und ein schmächtiger Durchschnittstyp ein Alpha", fasst einer der Beiträge zusammen.
Mit dieser Definition hört das „Alpha" auf, eine körperliche Kategorie zu sein, und wird zu einem Verhalten: Selbstsicherheit, kalkulierte Gleichgültigkeit, die Fähigkeit, nichts zu brauchen. Das „Beta" wäre das Gegenteil: Verfügbarkeit und sichtbare Anstrengung. Das Problem dieses Rahmens ist, dass er, so weit gedehnt, alles mit allem erklärt.
Versorgen ohne Anziehung: das Dilemma des Versorgers
Eine weitere Ausprägung ist der Mann, der Wirtschaftlichkeit und Stabilität beiträgt, ohne Begehren zu wecken, und die Frau, die empfängt, ohne es zu erwidern. Eine der Frauen, die sich beteiligt, fasst ihre Haltung so zusammen, dass sie noch nie mit „Versorgern" zusammen war, weil sie sie nicht anziehen, und dass es ihr grausam erscheinen würde, jemanden nur aus Interesse zu unterstützen; darauf kommt die Antwort, eine solche Wahl sei eine der Bequemlichkeit, nicht der Ethik. Der Austausch endet dort, ohne sich zu schließen.
Abrackern, bezahlen oder auswandern: die Auswege aus dem Handbuch
Die Sache endet, wie fast immer, im Praktischen. Für wen die Diagnose akzeptiert, bleiben drei Wege: sich auf Arbeit und Hobbys mit gelegentlichen Beziehungen konzentrieren, auf bezahlte Dienste zurückgreifen oder außerhalb des gewohnten Kreises eine traditionelle Partnerin suchen und dabei das Betrugsrisiko in Kauf nehmen. Keine Option wird als bequem dargestellt.
Mit diesem Schluss lautet die Frage nicht, ob der Rahmen schön ist, sondern inwieweit jemand sein Leben —und seine Beziehungen— nach einem Modell ausrichtet, das keine Ausnahmen zulässt. Denn an dem Tag, an dem eine auftaucht, fällt das Handbuch in sich zusammen. Und dann?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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