Ungehärteter chinesischer Stahl im AVE? Die Kontroverse bleibt unbewiesen
Ein bekannter Verschwörungstheoretiker behauptet, die Gleise des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes (AVE) würden Mindestanforderungen an Legierungselemente und Härtung nicht erfüllen, was auf minderwertigen chinesischen Stahl hindeute. Doch die vorgelegte metallurgische Analyse enthält grobe Fehler, während offizielle Daten zeigen, dass 99 % des von Adif verwendeten Stahls von ArcelorMittal stammt. Dennoch nähren der Hintergrund kostengünstiger Auftragsvergaben und die Schatten des Koldo-Skandals das Misstrauen.
Metallurgische Analyse unter der Lupe
Der ursprüngliche Artikel vom 19. Januar 2026 behauptet, die in einer Hochgeschwindigkeitsstrecke verlegten Schienen bestünden aus Q235B- und Q55-Stahl, ohne die erforderlichen Elemente (Kohlenstoff, Mangan, Molybdän, Chrom usw.) und ohne korrekte Härtung. Allerdings existiert die Bezeichnung Q55 in der chinesischen Norm GB/T nicht; der entsprechende Stahl wäre Q550, der deutlich höhere Festigkeitsstandards erfüllt. Zudem wird ein niedriger Schwefelgehalt kritisiert, doch ist dieser in der Praxis wünschenswert, um Sprödigkeit zu vermeiden. Mehrere technisch versierte Kommentatoren weisen darauf hin, dass der Autor Begriffe vermischt und die Analyse nicht haltbar ist.
Korruption und Billigaufträge
Dennoch ist Skepsis gegenüber der offiziellen Darstellung begründet. Der erneuerte Abschnitt wurde an eine Baufirma vergeben, die mit dem Koldo-Fall in Verbindung steht, und zwei Mitglieder des Vergabekomitees sind im selben Verfahren angeklagt. Die Ausschreibung war durch einen engen Haushalt gekennzeichnet, der nur zwei Bieter anzog, was Kostensenkungen erzwang. In diesem Kontext ist es nicht auszuschließen, dass minderwertige Materialien – ob chinesisch oder nicht – verwendet wurden. Einige vermuten, das Problem liege nicht im Ursprung des Stahls, sondern in den überhöhten Kosten für Bestechungsgelder, die den Materialbudgets fehlen.
Die offene Frage bleibt, ob fehlende Härtung und Legierung real sind oder ob es sich um eine weitere Falschmeldung eines diskreditierten Autors handelt. Solange keine unabhängigen metallographischen Analysen der Schienenproben durchgeführt werden, wird die Kontroverse weiterhin Zweifel an der Verwaltung der Eisenbahninfrastruktur schüren.
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