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Hi-Fi-Verstärker: Wenn das Ohr gegen das Wattmeter antritt
Ein defekter NAD löst die Debatte aus: Blindtests, Klirrfaktor und Raumakustik zeigen, dass 3.000 € für einen Verstärker keinen besseren Klang garantieren.
Hi-Fi-Verstärker: Wenn das Ohr mehr zählt als das Wattmeter
Ein NAD T760 geht kaputt, und die Reparatur kostet fast so viel wie ein neues Gerät. Der Besitzer bittet um Rat, um ihn durch einen seriösen Stereo-Vollverstärker zu ersetzen, mit Marken wie Marantz oder Arcam im Visier, ohne dabei sein ganzes Gehalt auszugeben. Die Antwort, die er bekommt, ist keine Liste von Modellen: Es ist eine Abrechnung mit der Idee der High Fidelity selbst.
Der erste Schlag kommt mit einer unbequemen Warnung. Doppelblindtests zeigen, dass die meisten Hörer unter kontrollierten Bedingungen einen Heimverstärker von einem anderen nicht unterscheiden können. Ein Veteran der Profi-Audiobranche führt das auf sein Terrain: Ein Behringer A500 für 150 Euro hält einem 700-Euro-NAD stand, und der einzige echte Unterschied, den er findet, ist, dass beim NAD eine Null zu viel auf dem Preisschild steht und echte Leistung fehlt.
Der Klirrfaktor, den keiner gleich misst
Auf dem Papier ist alles möglich. Der eine Hersteller wirbt mit 0,005 % Klirrfaktor bei 1 kHz, der andere mit 0,09 %, und der Käufer glaubt, Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen. Dem ist nicht so. Diese einzelne Zahl beschreibt nur einen Punkt der Kurve: Es fehlt die Impedanz, es fehlt die Grenzfrequenz, es fehlt die dritte Oberwelle, und es fehlt das Übersprechen. Bei einem Profi-Verstärker kann die maximale Leistung vor dem Clipping bei rund 220 Watt[/B> an 8 Ohm liegen; bei einem Heim-Vollverstärker der Mittelklasse bei 42 Watt. Und die dritte Oberwelle kann beim einen bei -40 dB und beim anderen bei -10 dB liegen.
Die praktische Schlussfolgerung: Katalogzahlen dienen dem Verkauf, nicht dem Hören. Wer wirklich vergleichen will, muss die ganze Kurve anschauen, nicht das Prospekt.
Lautsprecher und Raum sind wichtiger als der Verstärker
Hier ist der Konsens breit. Mehrere Teilnehmer sind sich einig, dass Lautsprecher und Raumakustik viel stärker ins Gewicht fallen als die Elektronik. Einer erzählt, dass er seinen Rotel-Stereo verkauft hat, weil die Unterschiede zu seinem Heimkino-Receiver mit B&W 602 kaum wahrnehmbar waren. Ein anderer gab einen High-End-Denon zurück. Der Heimkino-Receiver, mit Fernbedienung und Anschlüssen, gewinnt an Komfort, was er an Prestige verliert.
Der wiederholte Rat: Wenn der NAD funktioniert, nicht austauschen. Wenn er kaputt ist, tut es jeder anständige Vollverstärker von Cambridge Audio, Denon oder Yamaha. Und für alle mit größerem Budget: ein Accuphase oder ein Yamaha A-S2100. Die realistische Spanne liegt bei 300 bis 3.000 Euro, mit dem Hinweis, dass ab einem bestimmten Niveau niemand den Unterschied hört.
Vom 7-Euro-Kabel zum Faltungsfilters
Das Gespräch driftet zu dem, was wirklich etwas bewirkt: die digitale Raumentzerrung. Ein Teilnehmer teilt eine Anleitung für Einsteiger zu DRC mit FIR-Filtern, die die Antwort der Anlage im Raum berechnet und einen Filter erzeugt, der in den Player geladen wird. Ein Messmikrofon ist unverzichtbar. Ein anderer ergänzt, dass REW selbst die parametrischen Filter für einen Ultracurve-Equalizer berechnet.
Das praktische Problem taucht schnell auf: Laptops ohne Mikrofon-Eingang, Soundkarten ohne Digitalausgang, Verstärker mit analogen RCA-Eingängen. Die Lösung führt über einen Digital-Analog-Wandler für unter 100 Euro oder ein USB-Interface wie das Audient iD4. Die vollständigen Details zu Verkabelung und Kalibrierung finden sich im Originalmaterial – und lohnen sich.
Der Faktor, den keine Messung erfasst
Die Ironie schließt den Kreis. Ein Teilnehmer erinnert sich, dass er den besten Heavy Metal je auf einem Radio-Kassetten-Recorder im Park gehört hat, mit Dosenbier und Joint, und dass ihn auch die beste Anlage nie übertroffen hat. Ein anderer prahlt mit einem The Fisher X-101-C von 1965, einem Silberhochzeitsgeschenk seines Großvaters, mit Röhren, die kaum geglüht haben. Daneben wirkt der Krieg der Zahlen klein.
Die Prognose, mit Vorbehalt: Der Markt wird weiter Watt und Kurven verkaufen, die niemand prüft, und der Käufer wird weiter für das Gefühl zahlen, Qualität gekauft zu haben. Der Unterschied zwischen einer 300-Euro- und einer 3.000-Euro-Anlage bleibt in den meisten Wohnzimmern eine Glaubensfrage.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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