Hälfte der jungen Erwachsenen in Barcelona ist ausländisch

Barcelonas Migrantenanteil stieg von 5% im Jahr 2000 auf heute 31%. Bei den 25- bis 39-Jährigen überwiegen bereits die im Ausland Geborenen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Barcelona: Die Hälfte der 25- bis 39-Jährigen ist im Ausland geboren

Die Stadt, einst Aushängeschild des katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, hat sich gewandelt. Barcelonas Anteil an Migranten stieg von 5% im Jahr 2000 auf über 31% heute. In der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen übersteigt die Zahl der im Ausland Geborenen bereits jene der in Spanien Geborenen. Mit 1,7 Millionen Einwohnern erreicht die katalanische Hauptstadt ihren höchsten demografischen Stand seit vier Jahrzehnten, während Einheimische nur noch weniger als die Hälfte der gemeldeten Bewohner ausmachen: 45%.

Dies ist keine statistische Randnotiz, sondern das Porträt einer Metropole, die neben spanischen Staatsbürgern auch 182 weitere Nationalitäten beherbergt. Hier wurden beim Welt-Suppen-Festival in Nou Barris Gerichte wie Garnelen-Eintopf, Ajiaco oder philippinisches Sinigang serviert. Die kulinarische Metapher funktioniert, doch der politische Hintergrund ist unbequemer: Das multikulturelle Barcelona ist vom Versprechen zum politischen Schlachtfeld geworden, mit einem Datum für die nächste Wahl.

Vom Zentrum des Separatismus zur globalen Metropole

Barcelonas internationales Image hat sich verändert. Vor zehn Jahren dominierten Bilder der Diada-Demonstrationen oder des Referendums am 1. Oktober die Schlagzeilen. Heute zirkulieren Demografie-Zahlen einer Metropole, die eher Amsterdam oder Berlin ähnelt als einer nationalen Projektionsfläche. Das Observatorium für Migration und Flucht stellte fest, dass 2019 erstmals nicht in der Stadt geborene Einwohner die Einheimischen übertrafen. Dieser Trend hält an.

Dieser Wandel hat politische Konsequenzen. Aliança Catalana strebt 2027 ins Rathaus, ähnlich ihrem Erfolg bei den Regionalwahlen. Der Politikwissenschaftler Albert Cerrillo, ehemaliger Sprecher von Junts im Bezirk Eixample, prägte den Begriff „Verbrüsselung Barcelonas“ für den vermeintlichen „Verlust der barcelonischen und katalanischen Identität“. Auch ERC zielt darauf ab, die „Identität der Stadt wiederherzustellen“, wobei Stadträtin Elisenda Alamany Unterstützung für lokalen Handel und weniger Souvenirläden fordert.

Wer trägt die Stadt: Gastronomie, Pflege, Start-ups

Migration hängt eng mit dem Arbeitsmarkt zusammen. 47% der Beschäftigten in der Gastronomie sind Migranten. Im Bereich Hausarbeit und Pflege steigt dieser Anteil auf 60,5%, geprägt von prekären Bedingungen und einem hohen Frauenanteil. Dagegen liegt der Ausländeranteil in Industrie, professionellen Dienstleistungen und öffentlicher Verwaltung – Sektoren mit besseren Konditionen – unter dem Durchschnitt.

Der Kontrast zum Tech-Barcelona ist deutlich. Die Stadt zählt rund 2.500 Start-ups und ist nach Paris, Berlin, Stockholm und Amsterdam die fünftgrößte Innovationsstadt der EU. Das neue AstraZeneca Global Hub, mit geplanten Investitionen von 1,3 Milliarden Euro über zwei Jahre für fortgeschrittene Therapien, zeigt den Versuch, eine führende Position zurückzugewinnen. Bereits in den 60er und 70er Jahren machte der lateinamerikanische Boom Barcelona zur Welthauptstadt der spanischsprachigen Verlagsbranche.

Spannungen um Identität und Sprache

Die Spannungen beschränken sich nicht auf Büros. Der Schutz des Katalanischen führte zu Social-Media-Kampagnen gegen Restaurants mit ausländischem Personal, weil sie nicht in katalanischer Sprache bedienten. ERC trieb eine Erhöhung der Touristensteuer voran, die das Plenum vor zwei Wochen verabschiedete. Nach Bestätigung im Parlament soll der Zuschlag bis 2029 auf acht Euro pro Person und Nacht verdoppelt werden.

Die Debatte um Identität ist alt. Sie spiegelt frühere Konflikte wider: In den 80er Jahren wurde das auf die Olympischen Spiele 1992 zusteuende Barcelona unter Bürgermeister Pasqual Maragall von der konservativen Generalitat unter Jordi Pujol misstrauisch beobachtet. CiU löste sogar die von Sozialdemokraten geführte Metropolregion auf. Der Gegensatz zwischen globaler Stadt und essentieller Identität kehrt zurück, nun mit 182 Nationalitäten im Spiel.

Daten versus Erzählung

Mit 45% Einheimischen und 31% Migranten lebt die Mehrheit der Bewohner nicht hier geboren. Gastronomie und Pflege tragen einen Großteil der Beschäftigung, sind aber prekär. Technologie verspricht Investitionen, deren Auswirkung auf den Gesamt-Arbeitsmarkt bleibt begrenzt. Politisch scheint der Einzug identitärer Parteien ins Rathaus nur eine Frage der Zeit.

Offen bleibt, wie es den bereits hier Lebenden ergeht. Integration bemisst sich nicht an Melderegistern, sondern an Schulen, Verträgen und Stadtteilen. Dort bleiben die Daten vage. Das multikulturelle Barcelona ist Fakt. Das kohäsive Barcelona bleibt eine offene Frage.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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