Grand Delfin: 45 Stockwerke, 158 Meter Höhe am Poniente-Strand
Das Grand Delfin wird in Benidorm auf dem Grundstück eines alten Hotels am Poniente-Strand errichtet, das abgerissen wurde: 45 Stockwerke und 158 Meter Höhe, etwas mehr als 50 Meter von der Küstenlinie entfernt. Es soll die höchste Struktur Spaniens direkt am Meer werden. Und auch, wie die Diskussion um die Ankündigung zeigt, ein perfektes Beispiel dafür, wie dieses Land über Wolkenkratzer streitet: wegen ihrer Höhe, ihres Preises und vor allem ihrer Ästhetik.
Der Streit um die Zahlen: 158, 180 oder 200 Meter
Die Nachrichten sprechen von 158 Metern. Die ursprüngliche Ankündigung nannte 200. Einige behaupten, dass das Gebäude unter Einbeziehung des Dachaufbaus und der Antenne fast 180 Meter erreichen könnte. Drei Zahlen für ein Projekt, die eine Korrektur der Schlagzeile erzwangen und ein unangenehmes Gefühl hinterlassen: Das Megaprojekt verkauft sich besser, je höher es erscheint, obwohl die Anzahl der Stockwerke exakt gleich bleibt.
Was sich nicht ändert, ist die Lage. Die Wohnanlage wird auf dem Boden eines abgerissenen Hotels gebaut, nicht auf neuem Terrain, und liegt mehr als 50 Meter vom Wasser entfernt. Dieses Detail stützt einen Großteil des Arguments der Befürworter: Es wird nichts Neues besetzt, sondern ersetzt. Spaziergänger in der Gegend entgegnen jedoch, dass das Grundstück seit Langem verfallene Blöcke enthält und der Abriss keine Garantie dafür ist, dass das Ergebnis besser sein wird als das Vorherige.
Was kostet eine Wohnung im Grand Delfin?
Die bekannten Preise beginnen bei 400.000 Euro plus MwSt. für Apartments in den unteren Stockwerken. Die oberen Stockwerke liegen zwischen 2 und 6 Millionen Euro plus MwSt.. In dieser Preisklasse hat der Käufer ein Profil: ausländische Rentner – Briten, Deutsche, Russen – und einige nationale Käufer mit gut gefüllter Brieftasche. Das Luxusprofil sinkt selten unter das fünfte Stockwerk, während gleichzeitig in der vierten oder fünften Reihe zum Meer derselben Zone Wohnungen zu Preisen angeboten werden, die in dieser Liga nicht konkurrieren.
Das Argument derer, die jetzt einsteigen wollen, ist die Wertsteigerung beim Kauf auf Plan: Kaufen, bevor das Gebäude existiert, ist günstiger, birgt aber das Risiko, dass das Gebäude vielleicht nie gebaut wird. Das Kleingedruckte dieser Wette ist lang und von niemandem unterschrieben.
Geschmacklosigkeit oder effiziente Stadtplanung?
Hier hört der wirtschaftliche Streit auf und wird ästhetisch. Die härteste Strömung bezeichnet das Projekt als geschmacklos, protzig und, entschuldigung, einen Phallus mit Pools. Dem gegenüber steht die Verteidigung durch ein konkretes Territorium: Benidorm ist ein Modell der Dichte, eine wegweisende und international anerkannte Stadtplanung, die Bevölkerung auf wenig Raum konzentriert.
Hochbau, so argumentieren sie, verbraucht weniger Infrastruktur als 200 Einfamilienhäuser mit ihren Straßen, Kanalisation, Stromleitungen, Gehwegen und Laternen. Dies ist das am häufigsten wiederholte Argument und das schwerste mit Zahlen zu widerlegen. Die Antwort lautet oft anders: Effizienz des Modells ist das eine, Qualität dessen, was darin gebaut wird, das andere.
Massenandrang, Promenade und Parken
Wer seit 15 Jahren dort Urlaub macht, diskutiert nicht die Theorie, sondern den Gehweg. Die Levante-Promenade ist eine Straße, auf der Autos, Motorräder und Fahrräder fahren. Die Straßen sind auf 30 km/h begrenzt. Parken ist eine unmögliche Mission, da ein großer Teil der Gemeinde für Anwohner reserviert ist, und Bußgelder kommen pünktlich. Am Poniente koexistiert ein renovierter, enger Bereich mit Hindernissen und ein anderer mit kaputtem, schmutzigem Pflaster aus den sechziger Jahren.
Über der Atmosphäre schwebt zudem ein wiederkehrender Verdacht: Dass ein Großteil der in den letzten Jahren errichteten Türme leer steht. Sieben neue Bauprojekte und das Gefühl, dass die Stadt zusammenbrechen würde, wenn alle Eigentümer im selben August anwesend wären. Es ist eine Einschätzung, keine Statistik, aber sie zirkuliert mit derselben Kraft wie die Kräne.
Benidorm: Luxusziel oder vertikaler Themenpark?
Die Befürworter sehen eine Stadt, die ihr Niveau hebt. Der Poniente-Bereich entwickelt sich zum wohlhabenden Teil der Gemeinde, und die Umgebung – Altea, Calpe – beherbergt bereits Restaurants mit Michelin-Sternen. Manche prognostizieren sogar, dass Benidorm das Miami Europas werden wird. Andere erwidern, dass dieses Bild einen Filter braucht: Mit einem anderen sieht man dieselbe Stadt, mit einem weniger freundlichen etwas anderes.
Zur Diskussion kommt eine irritierende Referenz: Jemand, der in einer Wohnung im 48. Stock eines 61-stöckigen Turms in Bangkok lebt, fasst den Fall ironisch zusammen. In Spanien wird ein solcher Wolkenkratzer gelegentlich errichtet; in anderen Breitengraden ist es die Norm. Der Vergleich gefällt nicht, ordnet das Grand Delfin aber in eine Liga ein, die bis vor Kurzem nur in Broschüren existierte.
Und die unbequeme Erinnerung fehlt nicht: Wer warnt, dass die Feuerwehrleitern nicht über das siebte Stockwerk hinausreichen, sodass der Kauf im 45. Stock bedeutet, Protokollen zu vertrauen, die nicht von einem selbst abhängen.
Schneller Bau, später Strafe: Der Hintergrund der lokalen Immobilienbranche
Hinter dem Gebäude taucht die städtebauliche Geschichte der Region auf. Man diskutiert, ob dies ein weiteres Wohnprojekt oder ein neuer Spekulationscoup ist, und erinnert an frühere Operationen in der Gegend, einschließlich des Busbahnhofs und mehrerer Hotels, die in Berichte über angebliche Unregelmäßigkeiten gehüllt waren, die nie zu rechtskräftigen Verurteilungen führten. Der Verdacht ist hier ein eigenes literarisches Genre.
Wenn die Fristen eingehalten werden, wird das Grand Delfin in etwa drei Jahren stehen und die erste Linie des Poniente neu geordnet haben. Wenn nicht, bleibt es wie so viele Ankündigungen: eine Rendergrafik. Manche wetten sogar einen Euro darauf, dass es nie realisiert wird. Bei solchen Dingen der Immobilienbranche sollte man keine Prognosen unterschreiben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).