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Ghosting im Arbeitsleben: Kandidaten lassen Unternehmen warten
Der 'Ghosting'-Trend kehrt sich um: Kandidaten verschwinden nach bestandenen Prozessen. Jahre lang ignorierten Unternehmen Bewerber, nun tun es die Kandidaten.
Ghosting dreht den Spieß um: Jetzt verschwinden die Kandidaten
Das arbeitsbezogene Ghosting ist nicht mehr einseitig. Jahrelang waren es die Unternehmen, die Rückmeldungen versprachen und dann schwiegen; nun berichten Teilnehmer, dass Kandidaten den Prozess bestehen, den Vertrag prüfen und ohne Abschied gehen. Die Praxis, einst als Kunst des Verschwindens auf Partys bezeichnet, hat die Personalabteilungen erreicht. Es ist kein Einzelfall: Im Technologiesektor bewerben sich Kandidaten laut Berichten bei mehreren Stellen gleichzeitig, wissend, dass nur eine zum Vertrag führt.
Die Empörung der Arbeitgeber birgt Ironie. Wer jetzt lamentiert, hat jahrelang dieselbe Taktik angewandt: keine Antwort nach dem Interview, keine Erklärung für die Absage, kein Feedback. Die Abrechnung steht bevor.
Ein Phänomen aus Japan durch prekäre Arbeitsbedingungen
Der Vergleich mit Japan ist laut Teilnehmern nicht zufällig: Dort wird das Phänomen seit einem Jahrzehnt dokumentiert, verbunden mit jugendlicher Prekarität als Anpassung an den Markt. In Spanien sind die Umstände anders, aber ähnlich dicht: endlose Prozesse, erst spät offengelegte Konditionen und sinkende Gehälter beim Unterschreiben.
Manche argumentieren, der Kandidat «sollte zumindest per Nachricht Bescheid geben», da Höflichkeit für zukünftige Begegnungen wichtig sei. Dem gegenüber steht ein älteres Argument: Wie oft haben Unternehmen angerufen, um abzusagen? Stille Ablehnungen sind die Regel, nicht die Ausnahme.
Warum fehlen in Auswahlverfahren Informationen?
Das Muster wiederholt sich. Stellenangebote ohne Gehalt, ohne Arbeitszeiten und oft ohne Firmennamen bis zur persönlichen Vorsprache. Interviews dienen der Informationsbeschaffung, nicht der Bewertung. Und am Ende die Kleingedrucktes: Das Gehalt ist niedriger als angekündigt, Überstunden werden nicht bezahlt.
Im Technologiesektor ist dies alltäglich. Jobsuchende bewerben sich parallel bei mehreren Firmen, nur eine Zusage materialisiert sich, die anderen bleiben im Schwebezustand. Manchmal dient das Angebot nur als verdeckte Marktforschung: Manche behaupten, es werde aus Imagegründen ausgeschrieben und alle Bewerber würden abgelehnt.
Vom 'Ghosting' zum 'Replacing': Die andere Seite des Schweigens
Wenn das Unternehmen den Kandidaten nach Wochen des Prozesses hängen lässt, gibt es keinen englischen Begriff dafür. Manche schlagen 'Replacing' vor: Laut Berichten rückt der Zweite nach, wenn der Erste absagt, und der Dritte kommt selten zum Zug.
Dieser Schlagabtausch hat Kosten. Bei Personalberatungen gibt es laut Diskussion einen weiteren Aspekt: Der frisch Eingestellte geht nach einem oder zwei Monaten, weil ein anderes Unternehmen mehr bot, und hinterlässt ein halbfertiges Projekt. Die Firma zahlt einen Monatslohn für jemanden, der nicht produktiv war, und beginnt von vorne.
Zahlen widerlegen beide Seiten
Das Bild des launenhaften Kandidaten bricht zusammen angesichts von Zeugnissen wie dem eines Teilnehmers, der neun Jahre bei derselben Firma blieb, vom ersten bis zum letzten Tag gleich viel verdiente und Kaufkraft verlor, bis er zu einer Beratung wechselte, 30.000 Euro erhielt und sein altes Gehalt in etwas über einem Jahr fast verdoppelte.
Auch das Bild des großzügigen Arbeitgebers wackelt. Laut Teilnehmern verdienen im Technologiesektor manche Profile, die seit fünfzehn Jahren Projektleiteraufgaben übernehmen, unter 30.000 Euro. Die Arbeitgeberverbände profitieren von denen, die sich nicht trauen zu wechseln. In diesem Szenario scheint freier Markt nur in eine Richtung zu existieren.
Auf dem Boden der Tatsachen bleiben Anekdoten. Die handverlesene Kandidatin ging zum Unterschriften-Termin, sah, dass das Gehalt unter vierstelligen Bereich lag, nahm den Aufzug und ging. Der Neue kam am zweiten Tag nicht wieder, weil ihm pünktlich ein «Schon weg?» entgegengebracht wurde, während andere unbezahlt weiterarbeiteten. Einer lehnte die Stelle ab, als er merkte, dass die Bedingungen identisch mit seinen aktuellen waren.
Mit diesen Grundlagen liegt die Versuchung nahe, vorherzusagen, dass Ghosting sich beidseitig institutionalisieren wird und Unternehmen schließlich die Transparenz bezahlen müssen, die sie jahrelang vorenthalten haben. Möglich. Ebenso möglich ist, dass sich der Markt spaltet: Wer wählen kann, und wer weiterhin auf einen Anruf wartet, der nie kommt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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