Früher Ruhestand mit 41: 250.000 € und zwei Value-Fonds

Ein Ehepaar mit 86.000 € Bruttojahreseinkommen, zwei abbezahlten Wohnungen und 250.000 € Erspartem erwägt, mit 41 aufzuhören. Die Debatte: Value-Fonds, Indexfonds oder Teilzeit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Früher Ruhestand mit 41: 250.000 € und zwei Value-Fonds
250.000 € mit 41: die Rechnung eines Mannes, der die Ruder weglegen will

Ein Ehepaar aus Nordspanien, beide im technischen und industriellen Sektor mit 15 bis 20 Jahren Betriebszugehörigkeit, verdient zusammen 86.000 Euro brutto im Jahr —50.000 sie, 36.000 er—, hat die eigene Wohnung abbezahlt, eine zweite ebenfalls abbezahlte und vermietete Wohnung und spart rund 50.000 Euro pro Jahr. Mit 41 und zwei Kindern unter zehn lautet die Frage nicht, ob er aufhören kann zu arbeiten, sondern wann und zu welchem Preis. Das Vermögen: 250.000 Euro, davon 200.000 in zwei Value-Fonds —Cobas und Azvalor— und 50.000 in liquider Form. Sein erklärtes Ziel: früher Ruhestand in fünf oder zehn Jahren, oder zumindest eine Arbeitszeitreduzierung.

Die Diskussion, die dieser Plan auslöst, ist ein Porträt davon, wie die spanische obere Mittelschicht heute investiert: viel Überzeugung, wenig Diversifikation und ein unerschütterlicher Glaube daran, dass Zeit das einzige Gut ist, das man nicht zurückbekommt.

Was tun mit 200.000 € in zwei Value-Fonds?

Die häufigste Kritik zielt direkt auf die Konzentration. Fast das gesamte Vermögen in zwei aktiv gemanagte, value-orientierte Produkte zu stecken, gilt als Warnsignal — selbst bei denen, die die These teilen, dass diese Fonds günstig sind. Das Argument ist doppelt: Zum einen leben die Fondsmanager von einem Ruf aus anderen Zeiten, und ihr angeblicher Alpha hat sich nicht materialisiert; zum anderen schützt Value nicht unbedingt vor Kursverlusten, wie das Verhalten einiger klassischer Fonds 2008-09 zeigte, als sie genauso fielen wie der Markt.

Manche gehen weiter und behaupten, damit bestimmte Value-Portfolios nachhaltig steigen, müssten Umstände eintreten, die vielleicht erst in fünfzehn oder zwanzig Jahren zu sehen sind. Die Alternative, die Zulauf bekommt, ist die Indexierung: ein Fonds auf den S&P 500 oder MSCI World, mit dem Versprechen, langfristig 95 % der Manager zu schlagen und eine historische Rendite von 8-9 % — genug, um eine Entnahme von 4 % pro Jahr zu rechtfertigen. Der Einwand liegt auf der Hand: Die Indizes könnten sehr hoch stehen und die Miccionan Reversion könnte im nächsten Jahrzehnt gegen einen arbeiten, wie zwischen 2000 und 2009 geschehen.

Der Autor des Plans selbst erkennt das Problem seiner Fonds: Der eine kaufe viel Ramsch auf Kredit, der andere sei zu einem Rohstoff-Sektorfonds mit extremer Volatilität geworden. Growth-Fonds wie Seilern oder Fundsmith lehnt er als zu teuer ab, wobei nicht alle dieser Meinung sind: Manche halten beiden vor, den World-Index zu schlagen.

Dividenden, Immobilien oder Indexfonds? Das Rentner-Menü

Die Strategie wachsender Dividenden erscheint als dritter Weg. Der Vorteil: regelmäßige Einnahmen; der Nachteil: die Steuerlast. Der meistgeäußerte Vorschlag ist, sich nicht auf den IBEX zu beschränken —der Autor lehnt ihn wegen seines Anteils an regulierten Altwirtschaftsunternehmen ab— und das Portfolio mit US-Dividendenaristokraten aufzubauen, bekannten Unternehmen mit einer Historie der Aktionärsfreundlichkeit. Auch dividendenorientierte Indexfonds und ETFs auf weltweite Märkte werden erwähnt.

Immobilien spalten die Meinungen. Für manche ein Muss für jeden Rentner wegen der regelmäßigen Einnahmen; für andere ein illiquides, intransparentes Produkt, bei dem ein Fehler bei Lage oder Zeitpunkt sich nicht durch Durchschnittskosteneffekte korrigieren lässt. Der Autor ist klar: Er hat bereits zwei Wohnungen und erwartet eine Immobilenerbschaft, mehr kaufen kommt nicht infrage, außer jemand überzeugt ihn anders. Die sich ergebende Diskussion: wo kaufen? Madrid mit seiner M30 erscheint als liquider Markt, aber mit Preisen über 300.000 Euro für praktisch alles; Málaga oder Valencia als Regionen mit mediterranem Aufschwung; Saragossa oder Valladolid, verworfen wegen fehlender Perspektive. Die vernünftigste Empfehlung: in der Nähe des eigenen Wohnorts kaufen, nicht Bruchbuden in fernen Städten.

Die realen Kosten, zwei Kinder bis 23 zu erziehen

Eine der meistdiskutierten Rechnungen im Thread beziffert die Kosten für zwei Kinder bis zum Universitätsabschluss und der eigenen Selbstständigkeit auf rund 300.000 Euro, mit Mindestkosten von 98.000 Euro pro Kind bis zum 18. Lebensjahr. Die Zahl wird sofort angezweifelt: Ohne Privatschule, ohne Kindermädchen —die Großeltern springen ein—, ohne Reit- oder Skikurse bleiben die Jahreskosten pro Kind weit unter den 6.000 Euro, die diese Rechnung implizieren würde. Der Autor fasst es trocken zusammen: Er weiß nicht, ob er jedem mit 18 ein Auto kauft oder sie nach Eton schickt.

Die Schlussfolgerung, die sich durchsetzt: Kinder verhindern den früheren Ruhestand nicht, aber sie prägen ihn. Allein kann man den Gürtel extrem enger schnallen; mit Kindern nicht ganz so freiwillig. Und manche urteilen schlicht: Mit Kindern die Ruder wegzulegen ist eine schlechte Idee — wegen des Vorbilds, das man gibt, und der Konflikte, die es in der Partnerschaft auslösen kann.

Teilzeit, der meistgenannte Konsens

Die häufigste Empfehlung ist weder Ruhestand noch Weiter-so: die Reduzierung der Arbeitszeit. In Teilzeit zu arbeiten und die restliche Zeit den Kindern zu widmen, die in dem Alter noch gerne bei ihren Eltern sind, gilt als klügste Option. Auch empfohlen: die eigene Rudertechnik verbessern, bevor man die Ruder weglegt — pünktlich kommen und gehen, die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen, auch nicht gedanklich, und jüngere Kollegen einen Teil der Last übernehmen lassen.

Das Szenario, das niemand ausschließt, ist die Unsicherheit. Manche erinnern daran, dass das Leben mehr ist als Pläne schmieden — mit dem Beispiel einer Tante, die jahrelang ihren Ruhestand organisierte und mit 46 starb. Die Antwort des Autors ist deutlich: Gerade weil die Zukunft unvorhersehbar ist, muss man planen; wäre er Hellseher, bräuchte er das nicht.

Die verblüffende Zahl: Mit 50.000 Euro Ersparnis pro Jahr und zwei abbezahlten Wohnungen hängt die Entscheidung, weiterzuarbeiten oder nicht, nicht vom Portfolio ab, sondern davon, wie viel mehr Zeit er bereit ist gegen Geld einzutauschen, das er vielleicht gar nicht braucht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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