Franco, 50 Jahre danach: Der Mythos, der Spanien spaltet

Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod sorgt Francos Figur weiterhin für Debatten: weniger Steuern, mehr Infrastruktur und eine Wunde, die nicht heilt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Franco, 50 Jahre danach: Der Mythos, der Spanien spaltet
Franco, 50 Jahre danach: Der Mythos, der nicht stirbt

Wie ist es möglich, dass die Figur von Francisco Franco ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod immer noch so viele Reaktionen hervorruft wie die Nachricht, die diese Debatte eröffnete? Das Jubiläum – fünfzig Jahre seit seinem Ableben – diente als Auslöser für eine Diskussion, die in wenigen Stunden von offener Huldigung über wirtschaftliche Analyse bis hin zu Beleidigungen und historischen Vergleichen reichte. Im Zentrum stand eine unbequeme Frage: Warum mobilisiert ein Regime, das seit vierzig Jahren begraben ist, immer noch Leidenschaften, die weder der spanische Übergang zur Demokratie (Transición) noch die spätere demokratische Ära deaktivieren konnten?

Die ursprüngliche Nachricht, ein Text persönlicher Verehrung für den Diktator, funktionierte wie ein Funke in einem Pulverfass, das jahrzehntelang gefüllt war. Was folgte, war keine Debatte über Geschichte, sondern ein Streit über die Gegenwart: darüber, welches Spanien damals aufgebaut wurde und welches Spanien danach entstanden ist. Und darüber, wer das Recht hat, welche der beiden Versionen zu beanspruchen.

Das wirtschaftliche Argument: Weniger Steuern, mehr öffentliche Bauten

Eine der am häufigsten wiederholten Linien in der Diskussion war der steuerliche Vergleich. Es wurde argumentiert, dass der Staat während des Franquismus mit einer viel niedrigeren Steuerlast als heute in der Lage war, ein Land wiederaufzubauen, in Infrastruktur zu investieren und öffentlichen Wohnraum zu schaffen. Der Kontrast zur aktuellen Situation – Rekordsteuereinnahmen, wie behauptet wird, und wachsende Schwierigkeiten, sich selbstständig zu machen oder eine Familie zu gründen – war der Kern mehrerer Beiträge.

Die in den Raum geworfene Frage lautete direkt: Wie ist es möglich, dass mit weniger Steuern mehr erreicht wurde und mit mehr Steuern weniger getan wird? Die Antwort einiger lautete, dass es früher keine „Roten gab, die das öffentliche Geld stahlen“, eine Aussage, die über ihre ideologische Ladung hinaus auf eine breitere These abzielt: dass das Problem nicht darin besteht, wie viel eingenommen wird, sondern wie verwaltet wird. Andere hingegen wiesen darauf hin, dass der Vergleich unfair sei, weil das Land der sechziger Jahre keinen Wohlfahrtsstaat, keine universelle Gesundheitsversorgung, keine würdigen Renten und keine heutigen Arbeitsrechte hatte, die als selbstverständlich gelten.

Der Datenpunkt, der die gesamte Diskussion überschattete, war die internationale Isolation. Es wurde daran erinnert, dass Spanien jahrzehntelang außerhalb des europäischen Konserts stand und dennoch Stauseen, Straßen und Wohnungen gebaut wurden. Die Schlussfolgerung mancher war, dass die Autarkie die Entwicklung nicht verhindert habe; die anderer war, dass die Entwicklung genau dann kam, als das Regime begann, sich zu öffnen, mit den Technokraten des Opus Dei und den Stabilisierungsplänen.

War Franco der Vater der spanischen Nation?

Ein weiterer Strom, der in der Diskussion auftauchte, war die These, dass Franco in der Praxis der wahre Gründer des zeitgenössischen Spaniens war. Das Argument lautet, dass, obwohl Spanien eines der ersten Länder war, das eine moderne Verfassung annahm, das Modell erst in der frankistischen Ära wirklich Gestalt gewann, als ein zentralisierter Staat, eine moderne Verwaltung und ein einheitlicher Binnenmarkt konsolidiert wurden.

Gegen diese These war die üblichste Gegenreaktion, dass es ein historischer Fehler sei, die erzwungene Modernisierung eines autoritären Regimes mit dem Aufbau einer Nation zu verwechseln. Es wurde daran erinnert, dass der Franquismus keine solide ideologische Basis hatte, sondern eher ein Konglomerat aus Interessen – militärische, monarchistische, falangistische, katholische –, vereint durch Angst und Sieg im Krieg. Und der Fall von Hedilla, dem zweiten Chef der Falange, wurde angeführt, um zu zeigen, dass es nicht einmal innerhalb der Bewegung selbst Kohärenz gab: Franco entfernte ihn und inhaftierte ihn, als er nicht mehr nützlich war.

Die Diskussion entwickelte sich zu einem Austausch von Vorwürfen darüber, wer ein „falscher Falangist“ war und wer ein opportunistischer Antifranquist gewesen war. Ein Teilnehmer fasste die Paradoxie mit einem Satz zusammen, der in der Luft hing: „Du musst so sein wie diese falschen Falangeros, die merkten, dass sie antifranquistisch waren, als Franco bereits begraben war.“

Das politische Erbe: Vom Franquismus zur heutigen Demokratie

Der dritte große Block der Diskussion war derjenige, der den Franquismus mit dem heutigen Spanien verband. Die am häufigsten wiederholte These war, dass die 1978 geborene Demokratie tatsächlich eine Fortsetzung des früheren Regimes unter anderen Formen ist. Es wurde argumentiert, dass die Ernennung von Juan Carlos I. zum Nachfolger – „ein Mitglied einer Dynastie, die das Gastland immer verraten hat“, wie formuliert wurde – der Mechanismus war, der es der frankistischen Elite ermöglichte, sich ohne Rechenschaftspflicht neu zu positionieren.

Der gezogene Vergleich war provokant: Können Sie sich Hitler mit einer Sicherheitsgarde aus Namibiern vorstellen? Einen Reichstag aus Leuten ohne deutsches Blut? Eine Wirtschaft, die zum Wachstum brauchte, dass ihre Leute in andere Länder emigrierten? Die Analogie deutete, über ihre Übertreibung hinaus, auf eine Idee hin: dass das post-frankistische Spanien unfähig war, eine eigene Erzählung zu konstruieren, und sowohl wirtschaftlich als auch politisch auf Pump gelebt hat.

Andere Teilnehmer verteidigten hingegen, dass der Übergang zur Demokratie gerade deshalb erfolgreich war, weil er Abrechnungen vermied und ein Zusammenleben ermöglichte, das heute als selbstverständlich gilt. Die Diskussion erreichte jedoch keinen gemeinsamen Nenner: Während einige in der heutigen Demokratie eine Fälschung sahen, betrachteten andere sie als den einzig möglichen Rahmen für ein Land, das aus einer Diktatur hervorgegangen war.

Das Gedächtnisproblem: Huldigung oder Provokation?

Einer der auffälligsten Aspekte der Diskussion war die Reaktion auf die ursprüngliche Nachricht. Ein Text persönlicher Verehrung für Franco – „Ich bete jeden Tag ohne Ausnahme für Sie“, „Spanien und die anständigen Spanier vermissen Sie sehr“ – löste Antworten aus, die von expliziter Zustimmung („Es lebe Christus König, Arriba España“) bis zu ätzender Spott reichen.

Der Beitrag, der den Ton eines Teils der Diskussion am besten einfing, war der eines Teilnehmers, der die „anständigen Spanier“ als „vier Katzen“ beschrieb, im Gegensatz zu einer Mehrheit, die er mit einer Liste von Beschimpfungen definierte: „Huren, Schwule, Faulpelze, Junkies, Feminista radical, Freunde des Öffentlichen, Langusten, Menschenhändler und anderes Elend“. Der Satz offenbarte jenseits seiner Aggressivität eine tiefe Kluft: die derer, die sich als Erben eines Spaniens fühlen, das nicht mehr existiert, und die anderen die Schuld für ihr Verschwinden geben.

Andere Teilnehmer wählten Ironie. Es wurde daran erinnert, dass Francos Mumie nicht nach Moskau gebracht wurde, weil „sie kein Eis hatten, um ihn während des Transports zu konservieren“, ein Witz, der die Absurdität einer Diskussion zusammenfasste, die Huldigung, Nostalgie und Groll mischte.

Was von Franco bleibt: Mythos, Markt und Gedächtnis

Jenseits der gegensätzlichen Positionen wurde deutlich, dass Franco weiterhin ein kulturelles Produkt ist. Man sprach von „Francomodín“, einem Ausdruck, der zusammenfasst, wie die Figur des Diktators verwendet wird, um alles zu erklären, vom öffentlichen Defizit bis zur Wohnungskrise. Es wurde gesagt, dass „200 Jahre vergehen werden und die Linke immer noch die Schuld für alles Schlechte, was ihnen passiert, schieben wird“, ein Satz, der in seiner Übertreibung auf ein reales Phänomen abzielt: die Zentralität Francos in der politischen Erzählung Spaniens.

Auch die Begriffe „Neusprech“ und „Neuroprogrammierung“ wurden diskutiert, Begriffe, die einige verwendeten, um das zu beschreiben, was sie als Manipulation von Sprache und Gedächtnis betrachten. Und es wurde von „den Designern des Völkermords“ gesprochen, ein Ausdruck, der jenseits seiner Ladung zeigt, wie sehr die Diskussion über Franco weiterhin eine Diskussion über Macht ist.

Das Ende der Diskussion war kein Abschluss. Es war eine Feststellung: Dass Franco fünfzig Jahre später immer noch der Geist ist, der durch Spanien geistert, und dass jede Generation entscheiden muss, was sie mit ihm tut. Einige beanspruchen ihn; andere bekämpfen ihn; die meisten ignorieren ihn einfach. Aber niemand, nicht einmal diejenigen, die bei seinem Tod noch nicht geboren waren, kann sagen, dass er sie nicht betrifft.

Am Ende bleibt die gleiche Frage, die ein Teilnehmer stellte, der nur wenige Tage nach der Verfassung geboren wurde: Wie ist es möglich, dass mit weniger Steuern mehr gebaut wurde und mit mehr Steuern weniger gebaut wird? Die Antwort liegt wahrscheinlich nicht bei Franco, sondern bei uns.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (113 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver