Die Super League wird bereits in England gespielt: 830 gegen 256 Millionen
Die europäische Super League muss nicht erfunden werden: Sie läuft seit Jahren, findet an den Wochenenden statt und heißt Premier League. Diese These vertritt ein Teilnehmer der Debatte vehement und stützt sich auf eine Zahl. Im Wintertransferfenster 2023 gab die englische Liga laut seiner Aufstellung 830 Millionen Euro für Transfers aus; La Liga, Serie A, Bundesliga und Ligue 1 kamen zusammen auf 256. Es geht nicht darum, ob das europäische Fußballsystem zerbricht, sondern wer was mit wessen Geld zerstört.
Transfers zeigen zwei Geschwindigkeiten
Die teuersten Wechsel jeder Liga, nebeneinandergestellt, erklären mehr als jedes Manifest. Rice zum Arsenal für 117 Millionen. Havertz ebenfalls zu Arsenal für 75. Szoboszlai zum Liverpool für 70. Mount und Tonali je 64. In der Serie A markieren Kean und Locatelli mit 30 die Obergrenze; in der Ligue 1 Ugarte zum PSG mit 60; in der Bundesliga Kim Min-jae zum Bayern mit 50. Der teuerste Transfer der italienischen Meisterschaft kostet weniger als die Hälfte des dritt-teuersten in England.
Die Verteilung der TV-Rechte schürt die Ungleichheit weiter, so das Argument für die Super League: Nur knapp 20% gehen an Real Madrid und Barcelona, der Rest verteilt sich auf Klubs ohne globale Strahlkraft. Die Schlussfolgerung ist unbequem für nationale Ligen: Wer gegen einen englischen Verein um einen Spieler bietet, bietet nicht, er betet. Und er betet schneller, wenn Newcastle gegenübersteht.
Wer zahlt? Staaten, Fonds und ein Financial Fair Play ohne Zähne
Nicht alles kommt aus dem Geschäft. Die englischen Ausgaben werden seit Jahren von Eigentümern finanziert, die keinen sofortigen sportlichen Profit suchen: Staatsfonds bei Newcastle, ein ganzer Staat hinter dem PSG, Aktiengesellschaften und Vermögende in der Premier League. Das Financial Fair Play der UEFA ist für diese Strömung ein Papierdamm, wenn ein Land dahintersteht.
Die Analogie ist simpel. Es wäre, als würde Amancio Ortega den Deportivo kaufen und Geld in Hülle und Fülle hineinpumpen, bis niemand mehr mithalten kann. Mit einem Nachteil: Einige dieser Eigentümer besitzen mehrere Klubs in verschiedenen Ligen, was mittelfristig – so die Behauptung – zu Ergebnissen führt, die spielerisch nicht erklärbar sind.
Das unbequeme Gegenargument: Das Problem ist nicht Ausgeben, sondern Einnahmen
Hier kommt die Nuance, die Teile der Erzählung entkräftet. Entscheidend ist nicht, wie viel ausgegeben wird, sondern wie nachhaltig eingenommen wird. Jahrelang lebten mehrere europäische Großklubs über ihre Verhältnisse und tragen Schulden, die Verkäufe erzwingen. Unter diesem Blickwinkel schafft nicht die Premier League mit ihrem Scheckbuch das Ungleichgewicht, sondern ein Management, das außerordentliche Einnahmen mit einer stabilen Basis verwechselte.
Beides kann wahr sein. Manche argumentieren, die englischen Ausgaben basierten auf realen Einnahmen – Tickets, globales TV, Sponsoring –, andere kontern, dass ein großer Teil dieses Vorteils aus Steuerplanung und ungleichen Regeln resultiere. Kontinentaleuropa, so die harten Kritiker, habe die Party anderer finanziert und Tradition genannt.
Das Publikum schaltet ab: 100 Euro für die Liga
Unter den Zahlen liegt ein Problem, das keine Super League allein löst: die junge Generation. Ein Teilnehmer behauptet unter Berufung auf Florentino Pérez, dass die Hälfte der unter 25-Jährigen kein Interesse am Fußball hat, nicht wegen mangelndem Angebot, sondern wegen Überfluss. Videospiele, Streaming-Dienste, Konzerte, soziale Medien: Freizeit konkurriert und gewinnt. Die Liga zu schauen kostet rund 100 Euro, Bars zahlen Pakete nicht mehr, Free-TV-Spiele wurden reduziert. Gleichzeitig füllen Wettbewerbe von Content-Creators mit eigenen Regeln und kurzen Formaten die Lücke, die der klassische Fußball lässt.
Auch die Gegenposition hat Daten. Ein Nutzer berichtet, dass beim Drittliga-Klub seines Dorfes die Tribüne voller junger Fans sei. Was gebrochen ist, ist nicht die Leidenschaft, sondern der Zauber des großen Spektakels. Und ohne Zauber gibt es keine Dauerkarten, keine Trikots, keine Sponsoren, die 830 Millionen zahlen.
Basketball hat dies bereits durchgemacht
Es lohnt sich zu erinnern, dass die Basketball-Super League seit Jahren existiert und keinen ähnlichen Skandal auslöste. Der Vergleich taucht mehrfach auf: Im Basketball koexistieren kontinentaler Wettbewerb und nationale Ligen, ohne dass jemand als Verräter gilt. Der Unterschied, sagen einige, ist das Geld im Fußball; die Gewohnheit, erwidern andere. Keine der beiden Erklärungen schließt den Fall ab.
Auch die Initiatoren kommen nicht sauber daher
Ein Teil der Analyse erinnert daran, woher die Promotoren stammen. Laut einem Teilnehmer verkaufte Real Madrid vor zwei Jahrzehnten umgewidmete Grundstücke für fast 500 Millionen, Geld außerhalb des Fußballgeschäfts, mit dem Figo, Zidane oder Beckham finanziert wurden. Wer sich über Staatsklubs beschwert, war gestern selbst einer, so diese Lesart. Das Gedächtnis im Fußball ist kürzer als ein Sponsorenvertrag.
Was könnte mit der Super League passieren?
Das Projekt liegt wieder auf dem Tisch, gestützt auf ein kartellrechtliches Urteil, das alternative Wettbewerbe ermöglicht. Wenn sie kommt, sollte man wissen, was man kauft: Weniger Spiele gegen bescheidene Gegner, mehr Duelle zwischen Giganten am Dienstagabend, mit vorab vereinbarter Verteilung. Wenn sie nicht kommt, ist das Szenario nicht das alte, sondern das bereits sichtbare: Eine Premier League, die davonläuft, ein Kontinent, der verkauft, und eine junge Kurve, die verschwindet.
Die Prognose, mit allen Vorbehalten: Die Super League wird schließlich gespielt werden, aber nicht die der vier Großen, sondern die, die bereits in England existiert. Der Rest wird weiter diskutieren, ob sie nötig war, während das Geld endgültig den Kanal überquert. Wieder einmal.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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