Feindschaft als Mangelware: Niemand hat Rivalen im Forum

Die meisten Teilnehmer eines Wirtschaftsforums geben zu, keine Feinde zu haben: Feindschaft wird mit Filtern gemanagt, mit Nostalgie erinnert oder in ... verwandelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feindschaft als Mangelware: Niemand hat Rivalen im Forum
Niemand hat Feinde: Das Forum bleibt ohne Rivalen

Haben Sie Feinde? Die Frage, gestellt in einem Wirtschaftsforum, brachte eine Mehrheitsantwort zutage, die überrascht: fast niemand. Der Verfasser des Eingangsposts stellte von Anfang an klar: „Ich kann mich über jemanden ärgern, aber von da zur Feindschaft ist es ein weiter Weg." Feindschaft, jenes zwischenmenschliche Gut, das einst das soziale Leben strukturierte, scheint heute ein Luxusartikel zu sein, mit dem wenige prunken können.

Das Thema driftete bald ins Nostalgische ab. Man erinnerte sich an einen alten Film mit einem Trio von Figuren —Proaria, dem Einäugigen und Azog—, der laut denen, die sich daran erinnern, wie eine Seifenoper voller interner Rivalitäten funktionierte. Das Problem: Fast das gesamte Material ist verloren. Laut einem Teilnehmer wurden die Konten der Beteiligten gesperrt, der Rest liegt begraben im Archiv. Die Erinnerung an Feindschaft ist, wie so vieles, zerbrechlich.

Die Ignore-Funktion als Werkzeug der Konfliktbewältigung

Gegenüber der Epik der Konfrontation zeigte sich ein pragmatischer Weg. Ein Teilnehmer verteidigte das selektive Filtern als „zauberhaftes Werkzeug": Wer diejenigen stummschaltet, die nichts beitragen, sieht nur noch die freundlichen und respektvollen Leute und spart Zeit und Energie. Es ist die digitale Version des Sprichworts, dass wer Frieden will, den Krieg nicht füttern soll.

Ein anderer Beitrag lieferte eine Zahl, die Aufmerksamkeit verdient: rund 215. Unklar bleibt, worauf sie sich bezieht —angesammelte Feindschaften, blockierte Konten, geschlossene Threads?—, doch die Zahl, ohne Kontext in den Raum geworfen, wirkt wie ein verwaistes Datum, das zu Spekulationen einlädt. Was sich aus dem Ganzen ableiten lässt: Die Konfliktbewältigung ist administrativer als emotionaler geworden. Man blockiert, ignoriert, archiviert.

Feindschaft als Besitz und die Angst vor dem Freund

Mancher führte die Sache ins Reich des Paradoxen: „Ich habe nicht genug Freunde, um Feinde zu haben." Knappheit an Freunden begrenzt in der Tat den Markt für Rivalen. Und ein anderer Teilnehmer warnte vor einer prosaischeren Gefahr: sich um die Freunde des Forums sorgen, „vor allem, wenn sie von hinten kommen". Das Misstrauen gilt in einer Umgebung, in der Identität ein Pseudonym ist, weniger dem erklärten Feind als dem vermeintlichen Verbündeten.

Die Spruchweisheit setzte sich am Ende durch: Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde näher. Und die abschließende Bemerkung fügte mit Ironie hinzu, man müsse einen Dritten noch näher bei sich haben. Die Schlussfolgerung, falls es eine gibt: Feindschaft wird in diesen Gefilden nicht bekämpft. Sie wird mit Filtern gemanagt, mit Nostalgie erinnert oder in Anekdotenmaterial verwandelt.

Am Ende wird die Ausgangsfrage durch die Fakten beantwortet: Feinde, wenige. Und die, die es gibt, sind so nah, dass man sie besser griffbereit hält.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (32 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver