Euro steigt um 13 % in einem Jahr, Dollar fällt um 11 %

Der Euro wertete im vergangenen Jahr um etwa 13 % auf, während der US-Dollar um rund 11 % an Wert verlor und die Wechselkurse auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg brachten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Euro steigt um 13 % in einem Jahr, Dollar fällt um 11 %
Dollar sinkt um 11 % und bringt Euro auf Niveau vor dem Ukraine-Krieg zurück

Eine einfache Rechnung fasst das stille Beben an den Devisenmärkten zusammen: Der Euro hat im letzten Jahr gegenüber dem Dollar um etwa 13 % aufgewertet, was einem Wertverlust des „Greenback“ von rund 11 % entspricht. Für jeden spanischen Anleger mit einem Portfolio an der US-Börse ist diese Zahl keine akademische Kuriosität: Sie ist ein direkter Abschlag auf die erzielte Rendite. Elf Punkte, die sich beim Zurückrechnen der Gewinne in Euro einfach verflüchtigen.

Die Zahl allein lässt verschiedene Interpretationen zu. Die erste ist, dass der Wechselkurs in den Bereich zurückgekehrt ist, in dem er vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und der europäischen Energiekrise notierte. Und genau hier beginnt das Befremden. Denn wenn der Euro damals aufgrund des Energie-Schocks und des militärischen Konflikts geschwächt wurde und keine dieser beiden Umstände verschwunden ist, stellt sich die logische Frage, warum die Gemeinschaftswährung das verlorene Terrain zurückgewonnen hat. Jemand wird das erklären müssen.

Warum fällt der Dollar, wenn die Probleme Europas bestehen bleiben?

Das Paradoxon ist der Kern der Sache. Die Energiekrise, die Europa nach der russischen Invasion traf, ist nicht abgeschlossen, und der Krieg dauert an. Dennoch ist der Euro auf ein Niveau zurückgekehrt, das viele für ein vorübergehendes Privileg hielten. Die am häufigsten genannte Erklärung lautet, dass nicht der Euro stärker wird, sondern der Dollar schwächer. Das heißt: Europa geht es nicht besser, es hat lediglich aufgehört, der schlechteste Schüler der Klasse zu sein.

Unter den Hypothesen, die über die Ursachen dieser Schwäche des Dollars kursieren, gibt es drei, die sich wiederholen. Die erste besagt, dass der Euro von einer besugoerweise niedrigen Position ausging, die durch den Energie-Schock verzerrt war, und dass die Rückkehr zum Mittelwert eine einfache Normalisierung darstellt. Die zweite deutet auf den politischen Druck auf die Federal Reserve (die US-Notenbank) hin, die Leitzinsen zu senken – ein Eingreifen, das die Märkte als Zeichen dafür deuten, dass die Institution ihre Unabhängigkeit verliert. Die dritte, vielleicht die technischste, weist auf den US-Supreme-Court hin und die Möglichkeit, dass dieser geltende Zölle aufhebt, was einen Faktor eliminieren würde, der die Währung traditionell stützt, indem er Importe entmutigt.

Keine der drei Hypothesen schließt den Fall ab. Und das bedeutet in der Wirtschaftswissenschaft meist, dass mehr als eine Ursache gleichzeitig am Werk ist.

Die direkte Auswirkung auf das Portfolio spanischer Anleger

Für diejenigen, die Geld an der US-Börse haben, ist die Wechselkursbewegung eine stille Steuer oder ein unerwartter Bonus, je nachdem, in welche Richtung der Wind weht. Da der Euro im Jahresvergleich um 13 % aufgewertet hat, reduziert sich die Rendite in Dollar in Euro um fast denselben Anteil. 11 % weniger, um genau zu sein. Das ist die Zahl, die man sich merken sollte.

Die Auswirkungen gehen über Portfolios hinaus. Ein schwacher Dollar macht US-Importe für Europäer billiger und verteuert europische Exporte in die USA. Für den spanischen Touristen ist der Effekt umgekehrt: Reisen nach New York oder der Kauf dort hergestellter Produkte ist billiger als noch vor einem Jahr. Für den Exporteur verengen sich die Margen. Dieselbe Währung, die die einen entlastet, setzt die anderen unter Druck, und diese Asymmetrie ist der Grund, warum keine Regierung die Bewegung ohne Nuancen feiert oder beklagt.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass ein schwacher Dollar genau das ist, was die US-Regierung anstrebt, um das Land wieder zu industrialisieren und sein Handelsdefizit zu reduzieren. Wenn die Währung fällt, werden seine Produkte im Ausland wettbewerbsfähiger. Es ist eine bewusste Politik, kein Zufall. Oder zumindest sagen sie das.

Der Dollar im historischen Durchschnitt: Absturz oder Normalisierung?

Hier gehen die Interpretationen am stärksten auseinander. Eine Analyseströmung vertritt die Auffassung, dass von einem Absturz zu sprechen übertrieben sei: Der Wechselkurs liegt in seinem Durchschnitt der letzten 35 Jahre und hat einen Aufwärtstrend gebrochen, der zu lange anhielt. Aus dieser Sicht war der starke Dollar die Anomalie, nicht umgekehrt. Man erinnert sich an Zeiten, in denen ein Euro 1,50 Dollar kaufte und die USA ein günstiges Ziel für europäische Besucher waren.

Die gegenteilige Strömung entgegnet, dass der Vergleich mit dem historischen Durchschnitt den Kontext ignoriere. Wenn Europa mit einer Energiekrise, Schuldenspannungen und einem Krieg an seiner Grenze zu kämpfen hat, wäre es logisch, wenn der Dollar stark bliebe. Dass er zur Parität vor dem Konflikt zurückgekehrt ist, impliziert, dass der Greenback so stark geschwächt wurde, wie es der Euro zu seiner Zeit war. Zwei Schwächen, die sich gegenseitig ausgleichen, erzeugen kein gesundes Gleichgewicht, sondern eine optische Täuschung.

Inmitten des Lärms gibt es einen Datenpunkt, den man nicht aus den Augen verlieren sollte: den Schweizer Franken. Während der Euro und der Dollar umeinander tanzen, ohne sich zu weit voneinander zu entfernen, steigt die helvetische Währung. Und wenn der Franken steigt, liegt das nicht daran, dass es der Schweiz besser geht, sondern dass jemand mit viel Geld Zuflucht sucht. Die unangenehme Frage ist, vor wem dieses Kapital flieht.

Zölle, Zinssätze und der Schatten der Rezession

Das US-makroökonomische Bild fügt der Sache weitere Ebenen hinzu. Das anhaltende Staatsdefizit, der Anstieg der Nettoexporte durch den Einbruch der Importe aufgrund von Zöllen und der Boom bei Investitionen in künstliche Intelligenz zeichnen ein Bild von Rückenwind, der jedoch die Vernichtung von Nettoarbeitsplätzen im letzten Quartal nicht verhindert hat. Ein Wachstum von 4 % bei gleichzeitigem Stellenabbau ist eine Kombination, die Experten und Laien gleichermaßen verwirrt.

Der Druck auf die Federal Reserve, die Zinsen zu senken, fügt ein Element institutioneller Unsicherheit hinzu. Eine Zentralbank, die politischem Druck nachgibt, verliert an Glaubwürdigkeit, und Glaubwürdigkeit ist das wertvollste Gut einer Währung. Wenn die Märkte beginnen, daran zu zweifeln, dass die Fed unabhängig handelt, zahlt der Dollar den Preis. Es braucht keine Krise, damit das geschieht; es reicht schon der Verdacht.

In der Zwischenzeit steigen Gold und Silber. Edelmetalle sind oft das Thermometer der Angst: Wenn Geld Zuflucht sucht, finden diese Vermögenswerte sie. Dass sie stark steigen, während der Dollar schwächelt, deutet darauf hin, dass nicht jeder dem Narrativ einer geordneten Normalisierung glaubt.

Die Frage, die niemand beantwortet: Was passiert, wenn der Dollar weiter fällt?

Die Interdependenz zwischen beiden Währungen ist total. Wenn der Dollar fällt, steigt der Euro, und damit werden europäische Exporte teurer. Wenn der Dollar zu stark fällt, schießt die importierte Inflation in den USA in die Höhe und die Fed wird gezwungen, die Zinsen zu erhöhen, was den Greenback paradoxerweise wieder stärken würde. Es ist ein Pendel mit zwei unangenehmen Endpunkten.

Für Spanien ist der Nettoeffekt ambivalent. Ein starker Euro macht Energieimporte billiger, was die Außenlasten lindert. Er verteuert jedoch die Exporte und trifft die Sektoren, die am stärksten dem US-Markt ausgesetzt sind. In einer Wirtschaft, die vom Tourismus und vom Auslandsverkauf abhängt, ist das Gleichgewicht empfindlich.

Die Frage, die im Raum steht, ist, ob diese Bewegung eine punktuelle Anpassung oder der Beginn von etwas Tiefergehendem ist. Diejenigen, die die Kapitalströme in Richtung Edelmetalle und Kryptowährungen beobachten, deuten auf Letzteres hin. Diejenigen, die auf den historischen Durchschnitt des Wechselkurses schauen, auf Ersteres. Die Zeit wird es zeigen, aber währenddessen verleiht jeder Monat, der vergeht, ohne dass der Dollar Boden gewinnt, der These Gewicht, dass sich etwas Strukturelles geändert hat.

Der verstörende Datenpunkt ist nicht der Fall an sich, sondern seine Kombination mit allem anderen: ein schwacher Dollar, steigendes Gold und Silber, politischer Druck auf die Fed und eine US-Wirtschaft, die wächst, während sie Arbeitsplätze vernichtet. Keines dieser Elemente wäre einzeln alarmierend. Zusammen zeichnen sie ein Bild, das niemand mit den üblichen Lehrbüchern vollständig erklären kann.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

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