EU plantet Führerschein-Erneuerung alle zehn Jahre

Die EU-Kommission will den Führerschein alle zehn Jahre erneuern und bis 2030 digitalisieren. Kritiker warnen vor Kostenanstieg von 50 auf über 500 Euro.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU plantet Führerschein-Erneuerung alle zehn Jahre
EU plant Führerschein-Erneuerung alle zehn Jahre und Digitalisierung bis 2030

Die Europäische Kommission hat eine Richtlinie angestoßen, die Autofahrer verpflichten würde, ihren Führerschein alle zehn Jahre zu erneuern – ab dem 70. Lebensjahr alle fünf Jahre – und deutlich höhere Erneuerungskosten als bisher zu tragen. Der Text wird als Modernisierung und Verkehrssicherheit verkauft, enthält aber Auffrischungskurse für Über-65-Jährige (derzeit freiwillig) und einen digitalen europäischen Führerschein, der für 2030 geplant ist. Das aktuelle Verfahren kostet rund 50 Euro, könnte aber durch Gebühren, ärztliche Untersuchungen und Weiterbildung auf über 500 Euro steigen, so die Berechnungen der Branche.

Was sich mit der EU-Führerscheinrichtlinie ändert

Der Vorschlag beschränkt sich nicht nur auf die Verkürzung der Gültigkeit des Führerscheins. Brüssel möchte den Führerschein in die europäische digitale Identität integrieren, das sogenannte eIDAS 2.0, eine einzige Brieftasche, die persönliche, bankbezogene und verkehrsrelevante Daten bündeln würde. Das offizielle Argument ist die Harmonisierung zwischen den Ländern; das Ergebnis, so die Kritiker, ist eine europäische Datenbank für Fahrer mit Echtzeitinformationen zu Geschwindigkeit, Bußgeldern, Reisegewohnheiten und Energieverbrauch.

Die spanische Verkehrsbehörde DGT (Dirección General de Tráfico) denkt seit 2012 darüber nach, bei jeder Erneuerung eine theoretische Prüfung einzuführen, hat dies aber nie offiziell angekündigt. Mit der Richtlinie auf dem Tisch hätte Spanien die perfekte Ausrede, es „weil Europa es vorschreibt“ zu tun. Deutschland und die Niederlande haben bereits vor den Risiken des Modells gewarnt; Spanien hingegen zeigt sich bereit, es schnellstmöglich umzusetzen.

Die tatsächlichen Kosten der Führerschein-Erneuerung alle zehn Jahre

Die Zahlen aus der Branche sind unbequem. Das aktuelle Verfahren kostet rund 50 Euro an Gebühren und ärztlicher Untersuchung. Kommen Auffrischungskurse hinzu (jeweils 150 bis 200 Euro), theoretische Ausbildung und mögliche Umweltgebühren im Zusammenhang mit dem Emissionsregister, könnte sich die Rechnung verzehnfachen. Manche argumentieren, dass das System letztlich Fahrer mit Verbrennungsmotoren oder Autos älter als zehn Jahren bestrafen würde, also Menschen mit niedrigerem Einkommen.

Das Paradoxon besteht darin, dass die Maßnahme als Nachhaltigkeit verkauft wird. Unter diesem Deckmantel werden bereits bestehende Einschränkungen (Umweltzonen, Plaketten, Euro-5-, -6- und -7-Normen, strengere TÜV-Prüfungen) sowie kommende Regelungen eingeführt. Das Auto wird vom Gebrauchsgegenstand zum Privileg für diejenigen, die es sich leisten können, ihn alle paar Jahre auszutauschen.

Der digitale Führerschein und die europäische Identität

Die Digitalisierung des Führerscheins ist für 2030 geplant. Man müsste ihn nicht mehr bei sich tragen: Es reicht, ihn auf dem Smartphone vorzuzeigen. Der Komfort liegt auf der Hand; ebenso die Spuren, die jedes digitale Dokument hinterlässt. Integriert in die europäische digitale Identität, würde der Führerschein erlauben, Daten zu Geschwindigkeit, Bußgeldern und Fahrverhalten zu verknüpfen und sie mit einem Emissionsregister zu verbinden.

Das Problem ist nicht technischer, sondern kontrollpolitischer Natur. Ein solches System wüsste, wie viele Kilometer man fährt, wie viel das eigene Auto verschmutzt und ob man das Fahrzeug außerhalb von Niedrigemissionszonen nutzt. Es wird als Effizienz und Nachhaltigkeit verkauft; das Ergebnis wird eine Datenbank mit Echtzeitinformationen aller europäischen Autofahrer sein.

Was passiert mit Prüfungen und Prüfern?

Es gibt ein praktisches Detail, das die Richtlinie nicht löst: Woher kommen die Prüfer? In mehreren spanischen Provinzen beträgt die Wartezeit für eine Prüfung aufgrund Personalmangels bis zu sechs Monate, ein Engpass, der seit mindestens zwei Jahren anhält. Wenn jede Erneuerung eine theoretische Prüfung erfordert, bricht das System zusammen.

Das Beispiel der Hauptuntersuchung (ITV/Technische Inspektion) ist illustrativ. Wenn keine Termine verfügbar waren, war der Fahrer trotzdem verpflichtet, die Inspektion durchführen zu lassen, und riskierte Bußgelder oder Probleme im Unfallfall. Es gab keine Entlastungsgründe. Beim Führerschein würde es genauso laufen: Die Verwaltung übernimmt nicht die Kosten ihrer eigenen Unfähigkeit.

Wer gewinnt und wer verliert beim neuen Führerschein?

Der offensichtliche Gewinner ist die Industrie für Fahrschulung und die Fahrschulen, deren Kundenkreis sich jedes Jahrzehnt vervielfachen würde. Der Verlierer ist der Autofahrer mit mittlerem und niedrigem Einkommen, besonders derjenige, der in Industriegebieten oder Gemeinden ohne angemessenen öffentlichen Nahverkehr lebt. Für jemanden, der frühmorgens in einem weit entfernten Gewerbegebiet beginnt, ist das Auto kein Luxus: Es ist das Arbeitsmittel.

Die Maßnahme hat auch eine ideologische Komponente. Sie verwandelt die Führerschein-Erneuerung in eine Art sarracena Ritual, eine Prüfung der institutionellen Gehorsamkeit. Erst wird empfohlen, dann gefördert und schließlich vorgeschrieben. Jeder Kurs kostet Geld, jede Gebühr summiert sich, und die Kontrolle kommt verpackt in ein Lächeln und mit dem blauen Logo der Europäischen Union.



Mit diesen Voraussetzungen wäre eine breite gesellschaftliche Gegenreaktion zu erwarten. Die Erfahrung lehrt das Gegenteil: Die Mehrheit wird es hinnehmen, wie sie die Müllabfuhr-Gebühr oder die Umweltzonen hingenommen hat. Die Prognose, mit Vorbehalten, lautet, dass der Zehnjahres-Führerschein am Ende beschlossen wird und dass in zehn Jahren niemand mehr daran denken wird, dass es einmal Zeiten gab, in denen man ihn alle fünf oder zehn Jahre ohne Prüfung erneuerte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).

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