Film noir ist nicht nur ein Genre: Er ist eine Warnung vor dem Schicksal
Ein Thread auf Burbuja.info zerlegt seit 24 Tagen die Seele des Film noir, ohne in Akademismus zu verfallen. Er beginnt mit einer Definition, die wehtut: "Es gibt keine reinen Helden, nur Antihelden, die in einem Schicksal gefangen sind, dem sie nicht entkommen können." Und das Forum bleibt, wie es ist: bei der Theorie nicht stehen. Zwischen Bildern von Barbara Stanwyck, Lizabeth Scott und Gloria Grahame diskutieren die Nutzer, ob Casablanca das Noir-Etikett verdient, und fragen sich, warum der Boxer in 'The Set-up' nicht auf seine Frau gehört hat. Das ist kein gewöhnlicher Popkultur-Artikel: Es ist die Ecke, an der der Zynismus des Forums auf den Nachkriegspessimismus trifft.
Ist Casablanca Film noir? Die Debatte, die niemand erwartet hat
Der Nutzer n_flamel fragte: "Gilt Casablanca als Film noir?" Antwort von Bye Felicia, dem Autor des Threads: "Er vereint einige Elemente, man könnte eher sagen, er ist ein Vorläufer des Noir. Bogart hat einen pureren Katalog." Aber Trollaco del copón mischte sich mit seiner gewohnten Ironie ein: "Wenn die Bösen den Protagonisten entführen und ihn ordentlich verprügeln, ist es auf jeden Fall Film noir...". Das Forum verzeiht nichts: Noir definiert sich nicht über Gewalt, sondern über eine Atmosphäre der Enttäuschung. Der stillschweigende Konsens: Casablanca flirtet mit dem Stil, ergibt sich aber nicht ganz dem völligen Zynismus. Im Hintergrund wird klar: Der echte Noir entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Gesellschaft ihre Unschuld verlor.
Schauspielerinnen, die eine Ästhetik (und eine Stimmung) prägten
Der Thread spart nicht mit Bildern. Barbara Stanwyck, Lizabeth Scott und Gloria Grahame sind laut Bye Felicia die Königinnen des Noir. Reaccionariocine hält sich nicht zurück: "Gloria Grahame bringt mich so an wie die Rohre von Naturgy." Bye Felicia nickt: "Ava Gardner und Gloria Grahame sind top bei den körperlichen Attributen." Aber abgesehen vom Humor verlinkt der Thread komplette Filmografien jeder Schauspielerin, von 'Frau ohne Gewissen' bis 'Stadt der Korruption'. Die entscheidende Info: Robert Ryan, Hauptdarsteller von 'The Set-up', war vor seiner Schauspielkarriere Profiboxer, und alle seine Kampfszenen sind echt. Solche Details machen aus einem Thread mit 8 Antworten eine kleine Enzyklopädie des Genres.
Warum Noir nicht nur Schwarz-Weiß ist
Der Autor verspricht mehr Inhalte, aber der Thread macht bereits klar: Film noir ist ein Prisma. Vom Boxen ('Gewagtes Spiel', 'The Set-up') bis zum psychologischen Drama ist jeder Film ein Spiegel der Paranoia der 50er. Die Forennutzer, es gewohnt, der offiziellen Erzählung zu misstrauen, finden im Noir ein Echo ihres eigenen Skeptizismus. Die Debatte endet nicht, hinterlässt aber eine Gewissheit: Film noir schaut man nicht, man erleidet ihn. Und auf Burbuja versteht man das besser als nirgendwo sonst.
Verwandte Debatten im Forum