Drogen verabreicht und mit GPS-Tracker ausgesetzt: Diese „Rettung" ist eine Straftat

In Spanien wurde ein Obdachloser als „Therapie" betäubt und mit einem GPS-Beacon im Wald ausgesetzt. Die juristische Analyse: bis zu 10 Jahre Haft. Der Skandal ist perfekt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die falsche Rettung, die einen Obdachlosen zum unfreiwilligen Kandidaten machte
Ein Mann schläft auf der Straße. Zwei Fremde suchen sich ihn aus, geben ihm ein Getränk mit Schlafmittel, laden ihn in einen Transporter und setzen ihn 200 Kilometer entfernt mitten im Wald ab – mit einem Zelt, 15 Dosen, einem Messer und einem GPS-Beacon für 60 Euro, um seine Schritte zu verfolgen. Das Ziel war laut den Tätern, ihm die „Lebenslust" zurückzugeben. Das Ergebnis ist ein Katalog möglicher Straftaten, die zwischen 6 und 10 Jahren Haft summiert werden könnten.

Die Rehabilitation, die die Zustimmung vergaß
Die Szene klingt wie aus einer Survival-Realityshow, aber im echten Leben ist die Einwilligung alles. Man darf niemanden betäuben, gegen seinen Willen transportieren und in einer feindlichen Umgebung aussetzen, um ihm „das Leben wertvoll zu lehren". Juristisch gesehen häufen sich die beschriebenen Verhaltensweisen zu mehreren Straftatbeständen: Freiheitsberaubung, Aussetzung, Verabreichung von Drogen ohne Einwilligung und Nötigung. Der Erzähler behauptete, er habe ihn „wieder zum Laufen gebracht", als würde man einen Motor mit Schlägen starten. Menschen sind keine kaputten Fahrzeuge. Die Strafbemessung, Tatbestand für Tatbestand, läge bei 6 bis 10 Jahren, und mit dem Strafschärfungsgrund der Vorbedacht könnten es 12 oder 15 Jahre werden.

Hier zeigt sich die Seite des „verantwortungsvollen Konsums": Solche Geschichten machen aus Hilfe eine Show. Der Obdachlose hört auf, eine Person zu sein, und wird zur Figur in einer billigen Realityshow – per GPS verfolgt und mit Dosen versorgt, die man mit einer Schleuder hinwirft. Es wurde sogar angedeutet, die Aktion per Streaming zu übertragen. Wer diese vermeintliche gute Tat konsumiert, kauft keine Solidarität; er kauft Unterhaltung auf Kosten des Unglücks anderer. Auch das ist ein Konsumproblem.

Eine Geschichte, von der niemand weiß, ob sie wahr ist – und genau deshalb ist sie wichtig
Die Erzählung enthält Details, die nach Erfindung riechen: eine Karte der Beacons, die Androhung, die Aktion zu wiederholen, die Selbsternennung des Autors als „Alpha und Omega". Ein Teil des Publikums behandelte es als witzigen Troll. Aber selbst wenn es Fiktion ist, verrät allein die Tatsache, dass es als lustige Idee präsentiert wird, eine beunruhigende Entwicklung: Die Entmenschlichung von Menschen auf der Straße ist so weit fortgeschritten, dass soziologische Experimente ohne Erlaubnis vorgeschlagen werden. Das Ende bleibt offen: „Er bewegt sich nicht mehr", schreibt der Autor, ohne zu klären, ob die Person einen Platz gefunden hat oder etwas Schlimmeres passiert ist. Die Geschichte bricht dort ab. Schwarzer Humor sollte die Frage nicht zudecken.

Auf der Straße zu leben ist keine Einstellungsfrage, die man mit einem Schrecken beheben kann. Es ist eine Situation extremer Verwundbarkeit, die Unterstützung, Ressourcen und vor allem Respekt erfordert. Die erste Regel jeder Hilfe, auch der improvisiertesten, ist: erst fragen. Und um zuzuhören, braucht man niemals ein Schlafmittel.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (82 Antworten).

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