Die Warnung von Pepito Relámpago, die wir ignorierten
Auf dem Höhepunkt des spanischen Immobilienbooms 2006 griff ein Forumsfaden die Geschichte von Pepito Relámpago wieder auf: ein junger Mann, der seine eigene Zukunft und die seiner Bürgen versetzte. Zwei Jahrzehnte später ist die Lehre immer noch nicht gezogen.
Was war die Krise der 90er – und warum wurde sie vergessen?
Die Berichte derer, die die Krise Anfang der 90er in Spanien miterlebten, sind erschütternd. Ein Berufstätiger, der bei Zwangsvollstreckungen arbeitete, erinnert sich, wie er an die Türen von 75-jährigen Bürgen klopfte, die ihre Wohnung verloren. Ein anderer erzählt, dass sein Bruder zwangsvollstreckt wurde und sich scheiden ließ. Die Jugendarbeitslosigkeit lag bei über 40 %, und die Umstrukturierung der Industrie vernichtete Tausende Arbeitsplätze. Doch das kollektive Gedächtnis versagte. Wie eine Analyse festhielt: „Ein Volk, das seine Geschichte vergisst, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen“ – und 2006 bildete sich eine noch größere Blase.
Der entscheidende Unterschied zwischen der Krise der 90er und der drohenden war der Verschuldungsgrad. In den 90ern trug vor allem der Staat die Schulden; 2006 waren die Familien bis über beide Ohren verschuldet, mit Krediten über 80 % oder 90 % ihres Einkommens. Ein typischer Fall: vom Mietzins von 200 Euro zu einer Hypothek von 700 Euro, mit den Eltern als Bürgen. Jeder Rückschlag – Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit, steigender Euribor – brachte die Familie an den Rand des Ruins.
Der tödliche Mechanismus der Gesamtschuld-Bürgschaft
Die Geschichte von Pepito Relámpago warnte nicht nur vor der Überschuldung des Käufers, sondern auch vor dem Risiko für die Bürgen. Wenn die Bank die Wohnung versteigerte und die Schulden damit nicht gedeckt waren, fiel die Differenz auf die Wohnung der Bürgen. Eine „Gesamtschuld“-Bürgschaft konnte das Familienvermögen über Jahre binden. Trotz der Beispiele aus den 90ern bürgten viele Eltern weiterhin für ihre Kinder, ohne das tatsächliche Risiko zu kalkulieren.
Der Euribor als Barometer der Angst
Der Anstieg des Euribor war 2006 bereits das Tabuthema in den Büros. Die Rede war von einem jungen Mann, der nach dem Kauf seiner Wohnung auf einer Matratze auf dem Boden schlief und Sicherheitsschuhe trug, um zu sparen. Immer wenn am Kaffeeautomat der Euribor fiel, herrschte grabesstille. Wer warnte, wurde als Schwarzseher abgetan – doch die Realität holte alle mit der Krise von 2008 ein.
Epilog: Pepitos Wohnung, zwanzig Jahre später
Eine spätere Nachricht – fast zwei Jahrzehnte danach – erzählte vom Ausgang: Pepitos Wohnung wurde von der Stadtverwaltung von Solvia gekauft, im Gegenzug für die Begleichung seiner IBI-Schulden (spanische Grundsteuer), und anschließend einer NGO zur Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge überlassen. Der Kreis schloss sich, doch die Frage bleibt offen: Treten wir schon wieder in dieselbe Falle?
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