Die Rechnung mit 1.000 Euro monatlich bei 50.000 Euro an der Börse
Ist es möglich, mit 50.000 Euro in Dividenden 1.200 Euro im Monat zu verdienen? Die Rechnung ist gnadenlos: Eine Rendite von 24 % pro Jahr entspricht in keiner Weise den durchschnittlichen Erträgen des Ibex 35, der bei etwa 3-4 % liegt. Jedes Versprechen darüber sollte genau unter die Lupe genommen werden.
Der Mythos der garantierten 24 %
Ein Privatanleger prahlt damit, diese Renditen zu erzielen, indem er Aktien großer Ibex-Unternehmen kauft, wenn sie billig sind, und verkauft, wenn sie teuer sind – eine Strategie, die jedes Finanzlehrbuch als langfristig unhaltbar einstufen würde. Die echten Dividenden spanischer Blue Chips übersteigen selten 6 % pro Jahr. Um 1.200 Euro im Monat zu erreichen, wären rund 300.000 Euro investiertes Kapital nötig, nicht 50.000. Die Lücke zwischen beiden Zahlen ist ein Abgrund, der nur durch spekulative Geschäfte oder schlicht durch Betrug geschlossen werden kann.
Warnsignale: vom Schneeballsystem bis zum 'Betrüger'-Freund
Das Muster wiederholt sich: Jemand aus dem Umfeld zeigt unmögliche Zahlen, aber statt Verluste zu belegen, zeigt er nur Gewinne. In der Finanzliteratur nennt man das Survivorship-Bias. Die Anlegerschaft ist sich einig, dass Versprechen solch hoher Renditen meist Anwerbeschemata verbergen. Der Zweifler selbst räumt die "Unwahrscheinlichkeit" der Geschichte seines argentinischen Freundes ein, den er als "Betrüger" bezeichnet. Vorsicht gebietet, keinen einzigen Euro zu investieren, ohne geprüfte Bilanzen gesehen zu haben.
Die Frage, die in der Luft bleibt, ist, warum wir trotz aller verfügbaren Informationen weiterhin in dieselben Fallen tappen. Vielleicht, weil die Hoffnung, sich ohne Mühe zu bereichern, stärker ist als jede versicherungsmathematische Berechnung.
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