Die David-Bowie-Nazi-Theorie zu Twin Peaks hält nicht stand

David Bowies Auftritt in Twin Peaks als Phillip Jeffries in Buenos Aires nährt Nazi-Theorien. Doch Daten und Quellen widerlegen sie. Eine faktenbasierte Analyse.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die David-Bowie-Nancy-Theorie zu Twin Peaks scheitert an den Fakten

Auf den ersten Blick wirkt David Bowies Auftritt in "Twin Peaks: Fire Walk With Me" (1992) als Phillip Jeffries in Buenos Aires wie ein perfektes Augenzwinkern für Verschwörungstheoretiker. Bowie, ein Künstler, der vom Okkultismus und der Ästhetik des Dritten Reiches fasziniert war, taucht in Argentinien auf, einem Land, das berühmt dafür ist, geflüchtete NS-Verbrecher beherbergt zu haben. Die Verbindung scheint offensichtlich: Bowie wäre ein Nancy-Aliens oder ein Bote der Black Lodge. Doch wenn man die Daten und Quellen prüft, zerfällt die Theorie.

Die Chronologie entkräftet den Mythos

Der Film kam 1992 heraus, die Szene wurde jedoch 1991 gedreht. Bowie war 1990 mit seiner Sound+Vision-Tournee in Argentinien, zwei Jahre nachdem die Szene in der ursprünglichen Serie ausgestrahlt wurde (1989). Es gab also keine Synchronizität: Lynch wählte Buenos Aires schlicht als einen "fernen und seltsamen" Ort, wie er selbst sagte. Zudem ist das Konzept der Black Lodge nicht nancy: Er übernahm es direkt aus der Theosophie von Helena Blavatsky, die es erfand, um eine rivalisierende tibetische Sekte zu dämonisieren. David Lynch, mehr an jungschen Archetypen als an politischen Pamphleten interessiert, hat nie eine Nancy-Verbindung bestätigt.

Bowie, ein Sammler von Ideen, kein Jünger

Dass Bowie Nietzsche und Julius Evola las oder sich für den Golden Dawn interessierte, macht ihn noch lange nicht zum Adepten. Er war ein Künstler, der Einflüsse wie Requisiten sammelte: Burroughs' Nihilismus, Kabuki-Schminke, die Berliner Ästhetik. Seine Zeit in Berlin war keine esoterische Initiationsreise, sondern eine Entzugskur an der Seite von Iggy Pop. Das Album "Station to Station" (1976) ist die Brücke, nicht das Ziel: in Los Angeles unter Kokaineinfluss aufgenommen, spiegeln seine okkulten Themen das mentale Chaos wider, keine Zugehörigkeit.

Crowleys Antichrist war Mussolini, nicht Hitler

Ein weiteres angeführtes Indiz ist Aleister Crowleys Roman "Moonchild" (1917), in dem von einem Antichristen die Rede ist. Doch Crowley schrieb das, als Hitler ein unbekannter Gefreiter war. Später, in den 1930er Jahren, zog er Mussolini als Kandidaten in Betracht, nicht Hitler. Bowies Okkultismus und sein Cameo in Twin Peaks sind letztlich Zufälle, die Theorien ohne faktische Grundlage befeuern. Die Frage, die bleibt: Warum suchen wir weiter nach Verschwörungen, wo es nur Kunst und Zufall gibt?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (24 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver