Der Lgtb-Dating-Markt ist kaputt: Der 4,5 lehnt jetzt die 7 ab
Was passiert, wenn jemand, der sich für eine 4,5 hält, es wagt, jemanden abzuweisen, der sich als 7 beschreibt? Die Diagnose kursiert mit Namensnennung: überzogene Erwartungen auf einem Markt, wo Angebot und Nachfrage nicht mehr zusammenpassen. Ein Mann, der sich als aktiv, 175 Zentimeter groß, mit blauen Augen und „hetero wirkendem Charme" beschreibt, behauptet, die Ablehnungen, die er erhält, kämen stets von Profilen, die nach seiner Einschätzung darunter liegen: dicker, weniger attraktiv, schlechter aussehend und, so sein Fazit, „lehrbuchmäßige NPCs".
Die These ist nicht neu, aber der Ton schon. Was früher privat geflüstert wurde, steht jetzt in Großbuchstaben: der „Ich-bin-was-Besonderes-Wahn", diese Überzeugung, einen 190 Zentimeter großen Kerl mit fettem Gehalt und Villa in Florida zu verdienen, ohne einmal das Abitur geschafft zu haben. Die Klage hat einen Marktuntergrund: Es gibt vier Passive auf jeden Aktiven, so die Rechnung, und die Aktiven sind knapp. Wenn das Angebot schrumpft, erhöht der, der sich für knapp hält, seinen Preis. Das Problem beginnt, wenn sich alle gleichzeitig für knapp halten.
Das Gesetz des Dschungels, angewandt auf die Lust
Der ursprüngliche Beitrag verlangt kein Mitgefühl: Er verlangt ein Bewertungsschema. Sein Verfasser benotet sich selbst —eine 7— und alle anderen, und baut daraus eine Hierarchie, in der die Ablehnung durch andere keine legitime Präferenz ist, sondern eine statistische Frechheit. „Siehst gar nicht schlecht aus, aber ich suche einen anderen Typ" wird in seiner Lesart zur Arroganz eines Menschen, der gar nicht „in der Position ist zu wählen".
Da steckt etwas von Liebesbuchhaltung drin. Funktioniert der Markt, sollte die 7 die 7 bekommen und die 4,5 die 4,5. Die Realität ist jedoch chaotischer: Menschen verlieben sich außerhalb ihres Kästchens – und lehnen auch außerhalb davon ab. Was die Diagnose unrealistische Erwartungen nennt, mag schlicht daran liegen, dass die Lust keinem Excel gehorcht.
Der knappe Aktive und die fordernde Passive
Das demografische Argument hat Substanz. Das Verhältnis von vier Passiven auf jeden Aktiven —eine Zahl, die der Beitrag ohne Quellenangabe liefert— würde die Aktiven zu einem knappen Gut machen und ihnen damit einen Marktpreis verschaffen. Der Sprung von dort zur Schlussfolgerung, Passive dürften keine Ansprüche stellen, ist einer, den die Erzählung selbst nicht rechtfertigt: Knappheit impliziert kein Zutrittsrecht.
Die conversation driftete bald zu anderen Fragen: ob der „Hetero-Neugierige" eine neue Kategorie ist oder der alte Lgtb unter anderem Namen, ob das Problem beim Dating liegt oder in der Kultur, und sogar ob eine Ablehnung auf einer Kontakt-App eine soziologische Analyse verdient oder nur eine Tablette fürs Ego. Jemand merkte an, das Problem sei nicht der Markt, sondern der Verkäufer.
Die Würde als Tauschmittel
Der Abschluss des Beitrags ist fast sarracena: Wer hässlich ist, soll es mit Persönlichkeit, Stil, angenehmem Umgang, „etwas Leben im Blick" ausgleichen. Das ist ein vernünftiger Rat, verpackt in eine Verachtung, die ihn verdirbt. Denn dieselbe Person, die verlangt, dass der innere Wert geschätzt wird, ist diejenige, die Hintern und Gesichter mit Nachkommastellen benotet.
Die Paradoxie fasst alles zusammen: Alle wollen um ihrer selbst willen gewählt werden und wählen gleichzeitig nach dem, was sie sehen. In diesem Tauziehen steht der, der sich für eine 7 hält und ein „Ich suche einen anderen Typ" erhält, nicht vor einer Ungerechtigkeit des Systems. Er steht vor einem Markt, der gegen ihn funktioniert – genau das, was er vom Markt für alle anderen verlangt hatte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (38 Antworten).