Warum mehr Frauen als Männer mit Karte oder Handy bezahlen
35 % der Frauen nutzen Karten im Vergleich zu 29 % der Männer. Während 60 % von ihnen weiterhin bar bezahlen, tun Männer dies häufiger: mit 68 %. Die Kluft ist vorhanden, sie ist moderat und lässt sich nicht durch eine Geschlechterverschwörung erklären. Was sich beim genaueren Hinsehen zeigt, ist eine Mischung aus Komfort, Ausgabenkontrolle und Misstrauen gegenüber einem Zahlungssystem, das sich rasant digitalisiert.
Der Ausgangspunkt ist eine Beobachtung an der Kasse: Frauen greifen zum Handy oder zur Karte, Männer ziehen weiterhin Geldscheine. Von dort aus teilt sich die Diagnose zwischen denen, die es der Bequemlichkeit zuschreiben, denen, die es als Trend sehen, und denen, die etwas Ernsteres vermuten: den Verlust des letzten Bereichs finanzieller Privatsphäre.
Was die Daten zur Nutzung von Zahlungsmitteln sagen
Der am häufigsten zitierte Vergleich teilt die Prozentsätze wie folgt auf: 35 % der Frauen bezahlen mit Karte gegenüber 29 % der Männer, während Bargeld von 60 % der Frauen und 68 % der Männer genutzt wird. Das heißt, die Mehrheit der Frauen zahlt weiterhin bar, tut dies aber weniger als die Männer. Der Unterschied ist kein Abgrund, sondern eine Verschiebung um sechs Prozentpunkte.
Es gibt diejenigen, die diese Tabelle anders lesen als im Titel angegeben. Wenn Bargeld das Werkzeug der Freiheit ist, nutzen Frauen es zwar weniger, aber sie stellen immer noch die Mehrheit unter den Bargeldnutzern dar. Diese Nuance ist wichtig, da sie die einfachste Interpretation entkräftet: Es gibt keine Gruppe, die ausschließlich dem Kartenterminal verfallen ist, und keine andere, die krampfhaft am Geldschein festhält. Es gibt zwei überlappende Mehrheiten.
Das Bildungsniveau bewegt den Zeiger stärker als das Geschlecht. Mehr Bildung bedeutet eine höhere Kartennutzung. Die digitale Gewohnheit ist keine Sache von unachtsamen Menschen: Sie ist eine Sache von Menschen mit festem Gehalt, Lastschriften und einer engeren Beziehung zur Bank.
Komfort als Argument und Ausgabenkontrolle als Gegenargument
Das praktische Argument ist schwer zu widerlegen. Das Geld fließt auf das Konto, nicht in Scheinen. Jedes Mal zum Geldautomaten zu gehen, wenn Bargeld benötigt wird, ist Zeitverschwendung, und viel Geld bei sich zu tragen, erhöht das Risiko von Verlust oder Diebstahl. Wer mit dem Handy zahlt, handelt nicht unvorsichtig: Er löst ein reales Problem.
Dem gegenüber steht das Argument der Kontrolle. Barzahlung zwingt dazu, zu kalkulieren, sich zu zügeln und zu wissen, wie viel noch in der Tasche ist. Mit der Karte kommt der Schreck am Monatsende. Es ist die alte Diskussion zwischen physischem Budget und Kontoauszug, und keine Seite gewinnt haushoch.
Der dritte Punkt ist die Privatsphäre. Jede digitale Zahlung hinterlässt eine Spur: wo, wann und wie viel. Wer das Bargeld verteidigt, spricht nicht nur von Komfort, sondern davon, dass niemand wissen soll, wofür das Geld ausgegeben wird. Hier kommt die Debatte über den digitalen Euro und CBDCs (digitale Zentralbankwährungen) ins Spiel – programmierbare Währungen, die laut Kritikern es dem Emittenten ermöglichen könnten, die Ausgaben zu kennen und zu beeinflussen.
Bargeld als letztes Stück finanzieller Freiheit
Das am häufigsten wiederholte Argument zur Verteidigung des Geldscheins ist nicht wirtschaftlich, sondern politisch. Bargeld kann nicht nachverfolgt, blockiert oder ablaufen. Dagegen wird die totale Digitalisierung des Zahlungsverkehrs als schleichende Aufgabe präsentiert: zuerst aus Bequemlichkeit, dann aus Verpflichtung.
Der am häufigsten kursierende Vergleich ist der der Domestizierung. Ein Wildtier muss sich selbst helfen; ein domestiziertes Tier erhält alles im Austausch dafür, nicht mehr frei zu sein. Auf das Geld angewandt, besagt die Analogie, dass der Verzicht auf Bargeld aus Bequemlichkeit der Verzicht auf die letzte Entscheidung ist, die nicht über einen Vermittler läuft.
Nicht alle teilen diesen Rahmen. Es gibt diejenigen, die behaupten, die Privatsphäre des Geldscheins sei eine Illusion: Die Bank weiß bereits, was man verdient, was man schuldet und was man per Lastschrift zahlt. Und es gibt diejenigen, die daran erinnern, dass es in Dörfern immer noch Geschäfte ohne Kartenterminal gibt, in denen Bargeld keine Ideologie ist, sondern die einzige Art zu bezahlen.
Zahlung mit der Uhr, Trinkgelder und Schattenwirtschaft
Am digitalen Extrem steht die Zahlung mit der Smartwatch, die manche eher als Pose denn als Notwendigkeit sehen. Am entgegengesetzten Extrem steht die Barzahlung an jemanden, der eine Reparatur zu Hause erledigt und keine Rechnung möchte. Dazwischen liegt ein Detail, das fast niemand erwähnt: Mit Bargeld kann man Trinkgeld geben, und der Empfänger muss es nicht deklarieren.
Diese Überschneidung mit der Schattenwirtschaft erklärt einen Teil der Landkarte. Wenn ein Teil der Einkommen schwarz fließt, ist Bargeld keine ästhetische Vorliebe, sondern das natürliche Werkzeug. Und wenn das Gehalt per Überweisung kommt, ist das Handy die logische Erweiterung des Kontos.
Die Diskussion über Bargeld endet fast immer als eine Diskussion darüber, wer es sich leisten kann, darauf zu verzichten. Und diese Frage kann durch keine Statistik über Zahlungsmittel gelöst werden.
Wird das Bargeld verschwinden, bevor jemand beweisen kann, dass sein Verschwinden uns freier oder nur bequemer macht?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).