Eine Waschmaschine über 15 Jahre finanzieren: der Luxus der Armen, die nicht wussten, dass sie welche sind
Vor kaum einem Monat prahlten dieselben Leute, die sich jetzt wegen der Preise für Eier und Benzin die Kleider zerreisen, noch mit Reisen, Abendessen und neuen Autos. Die Kehrtwende ist so abrupt wie vorhersehbar. Der offizielle VPI mag die Realität beschönigen, aber die Raten für ein iPhone mit 48 Euro über 84 Monate lügen nicht. Wenn die Party des billigen Kredits endet, beginnt die Mittelschicht, die von der Hand in den Mund lebte, zu zittern.
Das iPhone für 48 Euro im Monat: das Thermometer der privaten Verschuldung
Eine immer wiederkehrende Anekdote in dieser Analyse ist die einer jungen Frau, die ihr iPhone mit 48 Euro monatlich über eine scheinbar ewige Laufzeit finanziert. Das ist kein Einzelfall. Der Konsum nach dem Vorbild der Reichen stützte sich auf scheinbar tragbare Raten, die in Summe jeden Spielraum zum Sparen auffressen. Wenn die Inflation zubeißt, ist die Finanzierung langlebiger Güter das Erste, was bricht. Vom Flug nach Punta Cana auf Raten zur Waschmaschine über 15 Jahre ist es ein kurzer Weg.
Die, die nichts zeigen müssen: stiller Reichtum gegen die Angeberei
Gegenüber dem Narrativ vom leichten Kredit tritt die Figur desjenigen auf, der etwas hat, aber nichts zeigt. Manche horten Immobilien oder Sammlungen von Luxusautos und kleiden sich trotzdem wie ein Stammgast in der Eckkneipe. Die Paradoxie: Echtes Kapital muss nicht zur Schau gestellt werden. Die neue Armut derweil tarnt sich als iPhone und Markensneaker. Die Schere zwischen realem Vermögen und sichtbarem Konsum war noch nie so groß.
Die Frage, die in der Luft liegt, ist nicht, ob die Preise weiter steigen, sondern wie viele derjenigen, die heute ihren Lebensstil finanzieren, nur eine Krise davon entfernt sind, das Nötigste finanzieren zu müssen.
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