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Behauptung: 70 % der Migranten in Spanien arbeitslos
Die These, dass zwei Drittel der Migranten nicht arbeiten, kursiert ohne Quelle. Daten aus dem Baskenland widersprechen dieser Annahme.
„70 % der Migranten arbeiten nicht“: Die Berechnung dahinter
Arbeiten die Migranten, die nach Spanien kommen, oder nicht? Auf dieser Frage basiert eine der am häufigsten wiederholten Behauptungen der aktuellen Migrationsdebatte: Etwa zwei Drittel seien erwerbslos oder arbeiteten schwarz, und wer arbeite, verdiene so wenig, dass er den Lohn durch Sozialleistungen aufstocke – Leistungen, die angeblich spanischen Staatsbürgern vorenthalten würden. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur Schlussfolgerung, Migration trage weder zum „Wohlergehen“ noch zu den Renten bei. Das Problem: Der Ausgangswert ist nirgends belegt.
Die Arithmetik, die Migranten zu Arbeitslosen macht
Das erste Argument ist nicht rassistisch, sondern buchhalterisch. Wenn es eine Million Migranten gibt und nur 300.000 davon arbeiten, dann sind 70 % nicht beschäftigt. Und der Twist: Kommt eine weitere Million hinzu, steigt die Zahl der Beschäftigten nicht um 600.000, denn die 700.000, die zuvor übrig waren, bleiben überflüssig; es blieben 300.000 Beschäftigte und 1,7 Millionen außerhalb des Marktes. Laut der im Umlauf befindlichen Rechnung führt dies dazu, dass in einem Land mit einer geschätzten realen Arbeitslosigkeit von etwa 30 % jeder Neuankömmling die Schlange der Arbeitslosen vergrößert statt die Lohnlisten.
Dies ist eine Illustration, keine Statistik, und sollte als solche gelesen werden: Das Beispiel wählt eine glatte Million und geht davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten fix bleibt, egal was passiert. Daraus folgt die am häufigsten wiederholte Schlussfolgerung, dass es sich auf einem Markt mit Überangebot an Arbeitskräften „nicht lohnt“, auch nur einen weiteren Arbeiter zu holen. Es klingt nach gesundem Menschenverstand, verbirgt aber eine fragwürdige Prämisse: dass die Wirtschaft eine feste Anzahl von Jobs schafft und jeder Neue jemandem den Platz wegnimmt.
Was kosten Hilfen und wer zahlt die Rechnung?
Der zweite Kern der Empörung ist nicht die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, sondern die Ausgaben. Es wird behauptet, die Hauptkosten – Gesundheit, Bildung, Sozialleistungen – lägen auf den Schultern eines immer stärker belasteten einheimischen Arbeiters, weshalb Kellner, Bauarbeiter und Maler fehlen, während andere zu Hause bleiben. Manche fordern, Nicht-Arbeitende abzuschieben und Visa zu verschärfen; andere räumen ein, das Problem sei nicht der Arbeitsplatz, sondern die Sozialhilfe, die ohne Beitragszahlung bezogen werde.
Die Grundfrage – ob sie wirklich die Renten stützen – bleibt unbeantwortet. Eine Strömung argumentiert, sie leisteten kaum Beiträge; eine andere entgegnet, das eigentliche Ziel sei nicht ihre Beitragszahlung, sondern ihre Regularisierung, damit sie wählen können und ein Klientelnetzwerk erweitern. Eine dritte, unangenehmere Erinnerung daran, dass das System hauptsächlich von der Minderheit finanziert wird, die arbeitet, egal woher sie kommt, und deren Steuerlast erhöht wird, ohne sie zu fragen.
Das Faktum, das die Erzählung bricht: Im Baskenland arbeiten mehr
Dem 70 %-Wert stehen Zahlen gegenüber. Nach den zitierten Statistiken von Deia und El Correo wären Ausländer, die im Baskenland (Euskadi) arbeiten, proportional zahlreicher als Einheimische. Dieser Wert wird in der Debatte als Gegengewicht zu dem quelllosen Rundungsprozentsatz ins Spiel gebracht.
Von „alle sind überflüssig“ zur These von Staat und Kapital
Der letzte Abschnitt führt das Thema auf weniger komfortables Terrain. Einige vertreten die Ansicht, dass bei diesem Niveau der Arbeitslosigkeit alle Ausländer überflüssig seien, ob sie nun arbeiten oder nicht. Eine andere Strömung hebt die Diskussion auf eine strukturelle Ebene und stellt, ohne dokumentarische Belege, die These auf, dass Staat und Großkapital legale Migration als Form der „Bevölkerungsaustausch“ vorantreiben, angesichts der Erschöpfung des Wohlfahrtsstaates und der Mittelschicht. Dabei wird angeführt, dass das Durchschnittsalter der legal neu Ankommenden bei 32 Jahren liegt, was für diesen Zweck hoch ist. Die Idee hat Widerhall: Je mehr darüber gesprochen wird, wer kommt, desto weniger darüber, wer zahlt.
Auch beim Ursprung herrscht Streit. Einige weisen auf die Immigration aus dem Maghreb und Subsahara-Afrika als die am schlechtesten integrierte Gruppe auf dem Arbeitsmarkt hin; andere kontern, die härteste Konkurrenz für qualifizierte Stellen komme aus Lateinamerika, aufgrund unterschiedlicher Profile und Gehaltserwartungen. Die Diskussion über Phänotypen verdeckt in der Praxis die Diskussion über Verträge.
Am Ende spricht niemand über den Nenner. Die 70 %-Zahl wird weiter kursieren, solange niemand fragt, wer sie berechnet hat, auf Basis welchen Jahres und unter Berücksichtigung welcher Personengruppe. Das würde eine echte statistische Überprüfung erfordern. Und es ist viel profitabler, auf den Nachbarstaat zu schauen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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