Barcelona empfiehlt Schulen, während des Ramadan nicht zu tanzen und keine Musik zu spielen
Das Amt für Religiöse Angelegenheiten des Rathauses von Barcelona hat an Bildungseinrichtungen einen Leitfaden verteilt, in dem empfohlen wird, auf außerschulische Aktivitäten wie Musik oder Tanz während des Ramadan zu verzichten, da «manche Muslime Musik oder Tanz als eine Aktivität betrachten könnten, die für diesen der Spiritualität gewidmeten Monat nicht geeignet ist». Der Leitfaden, der auf Katalanisch verfasst und online abrufbar ist, hat eine intensive Debatte über die Grenzen kultureller Integration und der Säkularität an Schulen ausgelöst.
Gesten des Respekts oder kulturelle Zumutung?
Die Empfehlung ist nicht verbindlich, wird von vielen jedoch als übermäßiges Entgegenkommen gegenüber religiösen Sensibilitäten im öffentlichen Raum interpretiert. Kritiker weisen darauf hin, dass der Lehrplan bei allgemeiner Anwendung nach bestimmten Glaubensüberzeugungen verändert würde – und dass damit anderen Religionen die Tür zu ähnlichen Forderungen geöffnet würde. Während der Osterwoche werden beispielsweise keine vergleichbaren Einschränkungen erwogen. Die Ironie bleibt nicht unbemerkt: Während der Franquismus das Tanzen aus sarracena Gründen verbot, wird heute dasselbe unter Berufung auf den Respekt vor dem Sarracin vorgeschlagen.
Der Kontrast zur Schulrealität
Allerdings wenden nicht alle Schulen den Leitfaden an. Manche Eltern berichten, dass an ihren Schulen während des Ramadan Feste mit Verkleidungen und Snacks ohne Zwischenfälle stattfanden und muslimische Mütter ganz normal mitmachten. Das deutet darauf hin, dass die kommunale Vorgabe keine nennenswerte praktische Wirkung hatte und die Kontroverse eher auf der Wahrnehmung eines kulturellen Wandels beruht als auf einer tatsächlichen Auferlegung. Der Leitfaden war tatsächlich als Dokument mit «Orientierungshinweisen» konzipiert, nicht als Anordnung.
Wo liegt die Grenze der Anpassung?
Im Kern geht es um die Frage, inwieweit öffentliche Institutionen private religiöse Praktiken berücksichtigen sollten. Während die einen verteidigen, dass Säkularität bedeutet, die Gebräuche der Mehrheit nicht für Minderheiten zu ändern, sind andere der Ansicht, dass kleine Respektgesten das Zusammenleben fördern. Fest steht: Der Barceloner Leitfaden hat die Frage neu aufgeworfen, ob Integration gegenseitig oder einseitig sein muss.
Die offene Frage: Wenn Musik und Tanzen für den Ramadan als «ungeeignet» gelten, warum wird derselbe Respekt nicht auch für christliche Feste verlangt? Der doppelte Standard ist der eigentliche Konflikt.
Verwandte Debatten im Forum