Armenien flieht: ohne Verbündete und mit geschlossener Grenze

Armeniens Sicherheitsnetz zerfällt: Russland schützt nicht, Aserbaidschan erhebt Anspruch auf Eriwan, der Westen bietet nur Kurse. Das erste christliche Land wird entvölkert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Armenien, das erste christliche Land, verliert sein Sicherheitsnetz

Armenien, der erste Staat, der das Christentum zur offiziellen Religion machte, steht vor einem Paradoxon: Um weiter zu existieren, hängt es von einem Schutzherrn ab, den seine Bevölkerung nicht mehr erträgt. Die Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan sind geschlossen, mit einem Sperrgebiet unter Bewachung der russischen Armee; der einzige offene Ausgang Richtung Iran wird für Lkw mit Kohlenwasserstoffen genutzt, nicht für Menschen.

Ein Land ohne Ausweg und mit Nachbarn, die seine Hauptstadt beanspruchen

Die Lage vor Ort gleicht einer fast perfekten Belagerung. Aserbaidschan verbirgt seine Ambitionen nicht: Es hat sogar Eriwan als Teil seines historischen Territoriums beansprucht. Die Türkei unterstützt Baku, und die Region Bergkarabach, Epizentrum dreier Jahrzehnte Konflikt, gilt als unwiederbringlich verloren. Währenddessen sinkt die armenische Geburtenrate, und die Auswanderung der unter 30-Jährigen beschleunigt sich, angetrieben durch das Versprechen des „europäischen Gartens“ und die Sozialfonds der EU. Das Land leert sich von innen.

Der Preis dafür, den Westen zu lieben und Russland nicht loszulassen

Die offizielle Erzählung Eriwans besteht auf einer Diversifizierung der Bündnisse, doch die Fakten sind stur. Der Verteidigungsvertrag mit Moskau verhinderte die Niederlage in Karabach nicht, und die weitverbreitete Deutung lautet, dass der Kreml Armenien fallen ließ, um seine Hinwendung zur NATO zu bestrafen. Dafür bietet der Westen Freizeittrainer-Kurse und Powerpoints, aber keinen glaubwürdigen militärischen Schutzschirm. Manche behaupten, die einzige echte Rettung wäre eine direkte Integration in Russland; andere entgegnen, genau das sei das Rezept, als unabhängiger Staat zu verschwinden.

Vor dieser Zwickmühle wagt niemand, ein Datum zu nennen. Die offene Frage ist, ob ein Land bescheidener Größe, mit versiegelten Grenzen, unsicheren Verbündeten und ohne Generationenwechsel, in einem Kaukasus überleben kann, der von der Gewalt regiert wird. Armenien flieht, doch nirgends zeigt sich ein klares Ziel.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (20 Antworten).

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