Antimonopolistischer Anarchismus: Staaten wie Monopole zerschlagen

Eine Idee, die in Staaten das endgültige Monopol sieht und vorschlägt, sie in kleine Gemeinschaften aufzuteilen. Der Autor glaubt, dass die Technik das möglich machen wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der antimonopolistische Anarchismus vertritt die Auffassung, dass die größten Monopolisten der Welt nicht Unternehmen sind, sondern die Staaten selbst, und dass der Ausweg darin liegt, die Welt in immer kleinere politische Einheiten aufzuteilen. Der Autor glaubt, dass die Technik —Roboter, 3D-Drucker und künstliche Intelligenz— es den Menschen erlauben wird, ohne große Verbände zu leben und zum Tausch ohne Geld zurückzukehren.

Es gibt eine Art, den Anarchismus zu verstehen, die mit dem Chaos von „jeder macht, was er will“ nichts zu tun hat. Die Variante, die der Verfasser dieses Gedankenguts vertritt, geht von einer unbequemen Beobachtung aus: Die größten Monopolisten der Welt sind nicht die Unternehmen, sondern die Staaten. Daraus entwickelt er einen Vorschlag, den er ökonomischen Anarchismus nennt, oder genauer: antimonopolistischen Anarchismus.

## Das Monopol, das nie in die Schlagzeilen kommt

Wenn über Monopole gesprochen wird, geht der Blick zu den großen Technologiekonzernen, den Pharmaunternehmen oder den Banken. Doch die Argumentation ist eine andere: Ein Staat ist per Definition ein Monopol über ein Gebiet, über seine Währung, über seine Gesetze und über die Anwendung von Gewalt innerhalb seiner Grenzen. Er konkurriert mit anderen Staaten nicht zu gleichen Bedingungen im eigenen Land: Er legt einfach die Regeln fest.

Das bedeutet nicht, dass Staaten gegenüber privaten Monopolen neutral sind. Nach dieser These entscheiden die Staaten, welche Monopole ihnen nützen und welche nicht. Sie behalten die nützlichen und beseitigen die übrigen. Der von Regierungen verkündete Kampf gegen Monopole wäre aus dieser Sicht Heuchelei: Der Staat steht nicht außerhalb des Spiels, er steht an der Spitze.

Das Argument stützt sich auf eine allgemeinere Idee: Das Wichtigste auf der Welt ist Geld, und alles geschieht um des Geldes willen. Ideen, Positionen, Pläne, Entwicklung, Religionen. All das funktioniere als Fiktion, um Geld zu verdienen. Aber das gelte, so die Einschränkung, nur bei einem Monopol, nicht bei einer einzelnen Person. Das Problem der heutigen Welt sei, dass alle Menschen nach dem Monopol streben.

## Der Dschungel unter Raubtieren

Wenn Monopole untereinander konkurrieren, ähnelt dieser Wettbewerb nicht dem in einem Stadtviertelladen. Um unter Monopolen zu überleben, muss ein Monopol grausam sein; andernfalls werden die anderen es verschlingen. Die Beziehungen zwischen Monopolen sind wie der Wettstreit von Raubtieren im Dschungel.

Hier taucht das Problem auf, das der Autor für unlösbar hält: Selbst wenn ein Monopolist ein gutes und ehrliches Monopol aufbauen will, werden er und sein Monopol grausam sein müssen und sich am Ende nicht von den anderen unterscheiden. Die Struktur setzt sich gegen die Absichten durch.

Es gibt eine zweite Grenze, die mit der Zeit zu tun hat. Ein Mensch lebt im Durchschnitt etwa 60 Jahre. Danach muss er einen Erben unter seinen Kindern hinterlassen oder einen Nachfolger unter seinen Schülern bestimmen. Das größte ungelöste Problem unserer Welt, so seine These, sei, dass man nicht mit Sicherheit einen guten Menschen erziehen kann. Ebenso sei ein System unmöglich, in dem die Menschen mit Gewissheit einen guten Menschen wählen. Zudem ist fast nie ein einzelner Herrscher derjenige, der alles verwaltet: In der Regel tun dies reiche Erben oder Nachfolger von jemandem, der früher reich war. All das gilt gleichermaßen für Staaten und große Konzerne.

## Vom Brot zu den Robotern: Warum die Größe nicht mehr zwingend ist

Es gibt ein Argument gegen den Anarchismus, das sehr solide erscheint: Der Zusammenschluss der Menschen in Gesellschaften begann schon im Altertum. Das Beispiel des Brotes veranschaulicht das. Die Menschen säten Weizen auf den Feldern, mahlten das Getreide zu Mehl und backten daraus Brot. Um Brot zu machen, brauchte man viele Menschen, und diese mussten sich zusammenschließen. So entstanden Dörfer und Städte. Der Nachteil: Es entstanden auch die ersten großen Schlachten und die Sklaverei. All das ist bis heute nicht zu Ende.

Doch die Welt verändert sich. In unserer Zeit gibt es Roboter, 3D-Drucker, das Internet und künstliche Intelligenz. Heute genügt es den Menschen, ihr eigenes Feld zu besitzen, auf dem Roboter mit KI arbeiten; danach mahlen sie das Getreide zu Mehl und backen das Brot. Das ist kein Scherz, sagt er: Es gebe automatische Traktoren mit KI, Maschinen mit KI zum Mahlen des Getreides und Öfen mit KI. Sogar ASML habe man besiegt, denn Canon habe nun ein neues Verfahren erfunden, merkt er an.

Auf dieser materiellen Grundlage glaubt der Autor, dass die Menschen künftig ohne große Verbände arbeiten und sogar zum Tausch ohne Geld zurückkehren können, der heute so sehr kritisiert wird. Der Tausch ohne Geld sei viel besser als jede Währung, erklärt er. Gerade der Versuch, die Währungen durch Kryptowährungen abzulösen, habe gezeigt, dass die Menschen Währungen nicht mögen; doch die Kryptowährungen hätten nicht geholfen, während der Tausch ohne Geld, so seine Überzeugung, helfen werde. In dem riesigen System des Geldumlaufs kann heute niemand mehr genau bestimmen, wohin das Geld fließt und woher es kommt, doch viele sind sicher, dass es einen gewaltigen Diebstahl gibt.

## Kleine Länder, Staaten, Gemeinschaften und Atomwaffen

Der politische Vorschlag ist eine fortlaufende Aufteilung. Das Beste, was die Welt tun kann, ist, sich in kleine Länder aufzuteilen und diese Länder in Staaten zu gliedern. Und die Städte dieser Staaten in Gemeinschaften nach Stadtvierteln zu unterteilen. Die Bezugseinheit ist nicht die Nation oder der Wirtschaftsblock, sondern die Nachbarschaftsgemeinschaft.

Zum Krieg macht der Autor eine Vorhersage, die von der Güte niemandes abhängt. In der Zukunft werden absolut alle Länder der Welt Atomwaffen besitzen, und dann wird es höchstwahrscheinlich kaum noch Kämpfe geben. Der Prozess, durch den alle Länder der Welt Atomwaffen erwerben, hat bereits begonnen. Es geht nicht darum, dass Länder aggressiv sind, sondern schlicht darum, dass sie einander nicht vertrauen. Länder brauchen Atomwaffen nicht zum Angriff, sondern zur Verteidigung.

Die zugrunde liegende Idee ist anthropologisch: Die Menschen sind im Allgemeinen nicht für Übersozialität oder große Verbände gemacht. Das sei eine Idee, die den Menschen von den großen Monopolisten bewusst aufgezwungen wurde. Der antimonopolistische Anarchismus schlägt nicht vor, jede Organisation abzuschaffen, sondern die Größe so weit zu verkleinern, dass keine Organisation sich wie ein Raubtier verhalten kann, ohne dass die anderen es merken.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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