Der Wechsel des ROM umgeht das Tracking, beseitigt es aber nicht
Die Diskussion beginnt mit einer klaren Warnung: Google und Apple sollen angeblich Tracking- und Ortungsanwendungen auf Handys installieren, "ohne jegliche Zustimmung", wobei die Benutzersicherheit als Vorwand dient. Die Behauptung stammt von einem Xiaomi Note 7 mit Android. Die Schlussfolgerung lautet: Wenn jemand so sehr darauf besteht, dich zu schützen, braut sich etwas zusammen. Diese Prämisse wird im Gespräch nie dokumentiert, aber die anfängliche Frage – wie man das Betriebssystem eines Mobiltelefons auslöscht – führt letztlich zu einer unbequemen Antwort.
Kann man das Betriebssystem eines Smartphones vollständig entfernen?
Die erste technische Antwort ist ein kalter Dusche. Ein Smartphone
ist kein Computer. Die Umgebung ist geschlossen, der Bootloader kommt gesperrt, und bei vielen Modellen ist eine Software-Ersetzung gar nicht möglich. Wo dies möglich ist, sind LineageOS oder GrapheneOS die Standardwege, vorausgesetzt, der Bootloader wird entsperrt, eine Recovery wie TWRP installiert und das Gerät mit Magisk gerootet. Ein extremer Fall wird erwähnt: Ein Lumia mit Windows 8.1 akzeptiert nichts anderes als Windows ARM "und kaum mehr".
Selbst dann hat die Bereinigung Grenzen. Der Basisband-Prozessor – das
Baseband – führt ein proprietäres System aus, der Bootloader ist nicht frei und die Treiber bleiben geschlossen. Nicht einmal GrapheneOS entkommt dem. Übersetzung: Man kann den Mieter vertreiben, aber das Gebäude hat immer noch einen Eigentümer.
Automatische Verbindungen, die den ROM-Wechsel überleben
Hier liegt die beunruhigendste Tatsache. Selbst mit LineageOS und ohne Google-Dienste klopft das Telefon sofort an die Türen verschiedener Server, sobald es Netzwerkempfang hat. Dies wird überprüft, indem ein Sniffer am Router ausgeführt wird, während WLAN aktiviert wird: Eine Flut von Anfragen geht durch, die eine Firewall wie AFWall+ durchlässt, möglicherweise weil sie daran vorbeigeht oder auf ihrer internen Whitelist steht.
- connectivitycheck.gstatic.com und Googles Captive-Portal-Modus
- time.android.com, der Zeitserver
- xtrapath1, xtrapath2 und xtrapath3.izatcloud.net, von Qualcomm
- Eine Reihe von Amazon-Domains
Das Rezept zur Blockierung: Die Hosts-Datei auf die Loopback-Adresse zeigen lassen und drei Befehle verwenden, um die Erkennung des Captive Portals zu deaktivieren. Eine weitere Empfehlung besteht darin, Apps nur von F-Droid herunterzuladen: Jede APK aus dem Play Store, Aurora oder Yalp schleppt Tracker mit, die sich mit Google verbinden. Die vollständige Konfiguration, Domain für Domain, war der nützlichste Teil des Gesprächs.
Warum macht antennenbasiertes Tracking viel Aufwand zunichte?
Weil die Standortbestimmung nicht vom Betriebssystem abhängt. Das Telefon kommuniziert mit Antennen, und allein das reicht aus, um seine Position zu triangulieren, unabhängig von der Software. Der Netzbetreiber weiß, wo du bist; der Staat greift legal auf diese Daten zu. Die übliche Verteidigung besagt, dass die Nummer und der Linieninhaber durchsickern, nicht der Inhalt.
Diese Nuance überzeugt nicht alle. Einige erinnern daran, dass MAC- und IMEI-Adressen
fest eingebrannt in die Hardware sind und im Netzwerk angezeigt werden. Es gibt auch kostengünstige Tools für jedermann: Ein HackRF von AliExpress für
60 Euro scannt nahegelegene IMSIs – die Ausweisnummer des Telefons – und mit einem
10 Euro-DVB-T-Dongle lässt sich ein selbstgebautes Scannergerät erstellen. Geräte vom Typ Stingray, die bereits von der Polizei in Vancouver verwendet wurden, fallen in dieselbe Kategorie.
Welche Alternativen gibt es zu WhatsApp und Signal?
Der am häufigsten wiederholte Vorschlag betrifft XMPP, ein föderiertes Nachrichtenprotokoll: Wie bei E-Mail kann jeder seinen eigenen Server einrichten, ohne dass alles über die Server eines einzigen Unternehmens laufen muss. Der empfohlene Client ist Conversations aus F-Droid mit OMEMO-Verschlüsselung. Signal bleibt eine zweite Option, mit dem Nachteil, dass eine Telefonnummer erforderlich ist. Auch Wire und Briar werden genannt, letzteres verspricht – noch in Entwicklung –, Nachrichten per Bluetooth ohne Internet zu senden.
Faradaysche Käfige und dumme Telefone: Kurzschlüsse, die nicht funktionieren
Handyhüllen mit Faradayschem Käfig werden als
Schwindel abgetan: Solange sich das Telefon darin befindet, erhält es keine Anrufe, aber sobald es herausgenommen wird, sendet es erneut Standort und Daten. Das Abschalten hilft wenig, da einige Modelle laut Thread sogar im ausgeschalteten Zustand übertragen. Die Alternative aus alten Zeiten ist ein einfaches Endgerät: Ein Nokia
aus den guten alten Tagen, ohne Apps oder E-Mail.
Die grundlegende Frage wirft Snowdens Buch auf. Es heißt, der ehemalige Analyst verbinde sich nur per Laptop für wichtige Angelegenheiten und gehe davon aus, dass
90 % des Internet-Traffics über Server auf US-Boden läuft. Daher die Besessenheit mit Routern, Satelliten und Infrastruktur, statt mit der jeweiligen App. Der Thread beschreibt jene, die nicht identifiziert werden wollen, als Nutzer mehrerer Endgeräte, SIM-Karten auf niemandes Namen und keiner Verknüpfung mit ihrer echten Identität.
Eine Lücke bleibt ungeschlossen. Die Liste der Verbindungen kann gekappt, Apps können ersetzt und die ROM geflasht werden. Das
Baseband, die Hardware und die Antenne bleiben bestehen. Solange sich das nicht ändert, ist mobile Anonymität ein Wunschtraum, keine Einstellung.