Abschaffung der Terminpflicht belastet spanische Beamte

Escrivá plant die Abschaffung der obligatorischen Terminvereinbarung in der spanischen Verwaltung. Gewerkschaften warnen vor einem Personalmangel von 30% bei Sozialversicherung und Arbeitsamt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Abschaffung der Terminpflicht belastet spanische Beamte
Das Ende der obligatorischen Terminvereinbarung belastet die spanische Verwaltung

Pedro Sánchez versprach am 15. November im Investitur-Debatte ein neues Modell für persönliche Beratung „mit flexiblen Zeiten und ohne obligatorische Terminvereinbarung“. Die Ankündigung ging im Lärm einer hitzigen Sitzung fast unter, aber an diesem Donnerstag hat José Luis Escrivá, Minister für digitale Transformation und öffentlichen Dienst, sie konkretisiert: Ein Gesetzentwurf zur Änderung des Artikels 14 des Gesetzes über das gemeinsame Verwaltungsverfahren, der „so bald wie möglich“ angewendet werden soll. Die Reaktion in den Behörden mit der höchsten Arbeitsbelastung ließ nicht auf sich warten. Bei der Sozialversicherung (Seguridad Social) und dem staatlichen Arbeitsamt (SEPE) wird es als direkt unumsetzbar betrachtet; bei der Steuerbehörde (Agencia Tributaria/AEAT) sprechen sie von Unmut und einem Klima des Aufstands unter dem Personal der Verwaltungsabteilung.

Was ändert sich durch das Ende der obligatorischen Terminvereinbarung

Die Norm, die nun aufgehoben werden soll, wurde von der Regierung selbst während der Pandemie eingeführt. Seitdem wurde die Terminvereinbarung zum obligatorischen Filter für den Zugang zu vielen Büros der allgemeinen Staatsverwaltung. Escrivá argumentiert, dass „für die Interaktion mit der Verwaltung keine obligatorische Terminvereinbarung erforderlich ist“, und fügt hinzu, dass es bereits letztes Jahr mehr als eine Million Konsultationen ohne Termin gab. Die normative Änderung wird durch eine Neugestaltung der zentralen Regierungswebsite ergänzt, die Informationen nach Lebensereignissen statt nach Ressorts organisieren soll.

Das Problem ist nicht das Prinzip, sondern die Arithmetik. Gewerkschaften warnen, dass das Personal bereits nach den Anstrengungen der Pandemie – neue Leistungen wie das Existenzminimum (Ingreso Mínimo Vital), der Digital-Kit-Gutschein, der Kultur-Gutschein für junge Menschen oder der 200-Euro-Scheck – und der Umsetzung der EU-Fonds angespannt ist. CSIF fasst es ohne Umschweife zusammen: „Unmachbar, es gibt nicht genug Hände.“ Ihre Schätzung ist, dass das Personal um 30% aufgestockt werden müsste, einschließlich befristeter Kräfte, was ihrer Meinung nach „nicht zeitnah zu bewältigen“ sei.

AEAT warnt: Terminvereinbarung moderiert den Besucherstrom

Bei der Agencia Tributaria ist die Diagnose ähnlich, wenn auch differenzierter. Offizielle Quellen der Behörde betonen die Bedeutung der Terminvereinbarung, um den Zustrom zu regulieren, und vermeiden Stellungnahmen, solange kein Gesetzestext vorliegt. Andere informierte Quellen beschreiben ein Klima des „Aufstands unter den Verwaltungsbeamten“, die überzeugt sind, dass es nicht genug Personal für die erforderlichen Schichten gibt. Die Paradoxie besteht darin, dass das Finanzministerium seit 2018 die elektronische Abgabe der Einkommensteuererklärung vorschreibt, eine Diskriminierung, die der Oberste Gerichtshof in einem Urteil vom 20. Juli für illegal erklärte, die aber im Anti-Krisen-Dekret-Gesetz, das am 28. Dezember im BOE veröffentlicht wurde, weiterhin bestehen bleibt.

Der Lohnkonflikt kreuzt sich mit der Terminfrage

Die Ankündigung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Regierung hat die diesjährige Gehaltserhöhung für Beamte noch nicht ausgearbeitet, während Renten und Mindestlohn (SMI) erhöht wurden. Die zusätzliche Erhöhung von 0,5%, gekoppelt an das BIP, wird demnächst ausgezahlt, aber die Exekutive möchte die Basiserhöhung für 2024 an den Haushalt binden, dessen Status nach der vorläufigen Ablehnung des Amnestiegesetzes durch Junts fraglich ist. CCOO behauptet, dass die Gehaltserhöhung „nicht im Haushalt stehen muss“ und erinnert daran, dass die Gehälter der Beamten 2019 und 2020 auch ohne Haushalt erhöht wurden. CSIF und UGT stimmen überein.

Wie viele Beamte wären für die Betreuung ohne Termin nötig?

Der Minister möchte das Personal der allgemeinen Staatsverwaltung um etwa 70.000 Personen aufstocken, um die Zahl von 590.000 zu erreichen, die 2011 bestand. Die OECD empfiehlt, dass öffentliche Bedienstete 18% der Gesamtbeschäftigung ausmachen sollten, was 400.000 neuen Stellen entsprechen würde. Die vollständigen Details dieser Berechnungen, mit Aufschlüsselung nach Behörden, zeigen das wahre Ausmaß des Problems: Es geht nicht nur um Einstellung, sondern darum, dass das erwartete Tempo der Pensionierungen dazu zwingt, schnell zu handeln, um Personalverluste zu vermeiden.

Die Kluft zwischen Erzählung und Schalter

Auf der anderen Seite argumentiert ein Teil der Analyse, dass das Problem nicht beim Personal liegt, sondern bei der Produktivität. Es wird angeführt, dass die Verwaltung seit über einem Jahrzehnt digitalisiert ist und die Zahl der öffentlichen Bediensteten dennoch auf Höchstständen liegt. Der Vergleich mit 1975 – als alles von Hand erledigt wurde und es ein Sechstel so viele öffentliche Bedienstete gab – taucht immer wieder auf, um zu fragen, was mit der Technologie geschehen ist. Die Antwort der Gewerkschaften lautet, dass die Digitalisierung die Arbeit nicht eliminiert: Sie verlagert sie. Zum Beispiel erfordert die Bearbeitung einer Ausländerrente die Übersetzung von Dokumenten und die Überprüfung von Datenbanken, die oft nicht übereinstimmen.



Kann man mit dem aktuellen Personal ohne Terminvereinbarung betreuen? Eine offizielle Antwort existiert noch nicht. Das Gesetz ist noch zu schreiben, der Haushalt noch zu genehmigen und die Pensionierungen stehen bevor. Währenddessen steht der Bürger weiterhin in der Schlange – physisch oder telefonisch – am selben Schalter wie immer.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (197 Antworten).

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