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72 Stunden für Puente: Sozialistischer Wähler droht mit Wechsel zu Vox
Ein sozialistischer Wähler gibt Verkehrsminister Óscar Puente 72 Stunden, wegen des Hochgeschwindigkeitszug-Unglücks zurückzutreten, und droht andernfalls, Vox zu wählen
Das 72-Stunden-Ultimatum an Puente, das die Abwanderung sozialistischer Wähler erneut öffnet
Wie viel ist ein Rücktritt wert? Für einen Wähler, der sich als Sozialist „nur beim Sozialen“ bezeichnet, genau 72 Stunden. Das ist die Frist, die er in der Debatte nach dem Zugunglück gesetzt hat, das Verkehrsminister Óscar Puente angelastet wird: Tritt er nicht innerhalb dieser Frist zurück, wechselt die Stimme das Ziel und geht, so heißt es, „zu dem, was IHR so sehr hasst“. Die Attacke ist nicht neu. Neu ist, dass sie von jemandem kommt, der sich zur Linken zählt und sie ohne Umschweife begründet: „Ich bin einfach nur ein Wähler, der auf seine persönlichen Interessen schaut, genau wie alle in diesem gesegneten Land.“
Was passiert ist und warum der Rücktritt gefordert wird
Auslöser sind das Unglück des Hochgeschwindigkeitszugs und das anschließende Krisenmanagement. Die Forderung nach politischer Verantwortung stützt sich auf zwei wiederkehrende Fakten: Es ist der zweite schwere Unfall des AVE in weniger als einem Jahr, und – so die These – es gab kein Sicherheitssystem, das menschliches Versagen hätte abfangen können. „Selbst wenn es ein außergewöhnlicher menschlicher Fehler ist: neun Monate, eine Spur von Toten, das reicht, damit jeder Mensch mit einem Minimum an Anstand zurücktritt“, fasst ein Beitrag zusammen. Die Zahl der neun Monate dient als Zeitmarke des Verfalls.
Die Verteidigung des Ministers stützt sich auf die offizielle Version: Der Fehler des Fahrdienstleiters von Atocha, der inzwischen von der Guardia Civil verhört wird, verlagert die Schuld vom Politiker auf den Bediensteten. „Er wird nicht zurücktreten, man hat bereits den Fahrdienstleiter verantwortlich gemacht“, stellt eine Nachricht fest. Das Problem für die Regierung: Diese Ausrede kollidiert mit der technischen Lesart. Manche behaupten, Bauingenieure erklärten in den Medien, es habe kein Sicherheitssystem gegeben – was den Ball zurück zur Systemkonstruktion und damit zum Ministerium wirft.
Die Wahlkampfrechnung: Warum ein Rücktritt als taktisches Manöver gelesen wird
Hier wird die Analyse kühl. Die vorherrschende These lautet: Der Rücktritt wird nicht kommen, denn ihn anzunehmen bedeutet, die Verantwortung zu übernehmen – und das schon gar nicht mitten im Wahlkampf. „Der politische Preis, mit dem Minister im Amt in die Wahl zu ziehen, ist nicht tragbar“, bringt eine weitere Stimme auf den Punkt und geht davon aus, dass der Ministerpräsident den Abgang seines Ministers vorbereitet. Der Streit betrifft nicht das Ob, sondern das Wann: Die einen sehen den Rücktritt als Frage von Stunden, die anderen schließen ihn kategorisch aus.
Das Duell hat jedoch einen unbequemen Adressaten: den Wähler selbst. Die Drohung, aus Rache die extreme Rechte zu wählen, ist keine ideologische Überzeugung, sondern ein instrumentalisierter Vergeltungsschlag. „Ich werde es wirklich tun, denn er ist ein Hundesohn, und ich werde dem die Stimme geben, der dieser infizierten Pest am meisten wehtut“, schreibt jemand sogar unverhohlen. Dieses ungeschönte Geständnis beschreibt eine Wählerschaft, die die Stimme als Waffe einsetzt und nicht als Programm.
Vom Rauchverbot in Bars zum „Sozialismus nur beim Sozialen“
Der Unterton des Ärgers betrifft die Definition des Sozialistischen selbst. Der Verfasser des Ultimatums preist Zapateros Anti-Rauch-Gesetz als „die sozialste Maßnahme, die je in Spanien umgesetzt wurde“ und fordert, das PSOE solle für alle gesetzgeben, nicht für eine Handvoll. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Die Leute rauchen trotzdem weiter, sogar mit noch größerem Verlangen; er hat nur etwas kopiert, das in vielen Ländern längst üblich ist.“ Die Diskussion driftet zur Verteilung der Steuerlast: Die einen halten dafür, dass jeder zahlen soll, was er konsumiert; andere entgegnen, was einer nicht zahlt, zahle am Ende jemand anderes.
Die beißendste Ironie richtet sich nicht gegen den Minister, sondern gegen das Etikett: „Die Menge an Leuten, vor allem Frauen, die dir sagen, sie seien Sozialisten wegen des Sozialen.“ Der Schlusspunkt beschreibt das Phänomen besser als jede Umfrage: ein Wähler, der sich darüber definiert, was er bekommt, nicht darüber, was er vorschlägt.
Der Präzedenzfall, den niemand wiederholen will
Die einzige genannte Ausnahme eines Rücktritts unter Druck war die eines früheren Ministers, der zum Rücktritt gezwungen wurde, als der Fall unhaltbar geworden war. Diese Erinnerung setzt die Messlatte: Die Regierung gibt nur nach, wenn die Erzählung völlig zerbricht. Mit dem Fahrdienstleiter als Sündenbock und laufendem Wahlkampf hält die Erzählung noch stand. Deshalb klingt die 72-Stunden-Frist eher nach Bluff als nach Countdown. Und wenn er nicht zurücktritt – wird es dann wirklich eine Strafstimme geben? Die Drohung steht bereits schriftlich fest.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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