9 Euro die Stunde: Die Sprachschule, die 400 Euro im Monat für Unterricht zahlt
Vierhundert Euro im Monat. Elf Unterrichtsstunden pro Woche, verteilt auf vier Tage, in einem Ort mit 3.000 bis 4.000 Einwohnern, 10-15 Kilometer von der Stadt entfernt, eigenes Auto für den Weg hin und zurück Pflicht. Das ist das Paket, das eine Nachhilfeschule einem Kandidaten mit zertifiziertem C1, zwei Masterabschlüssen und Erfahrung als Vertretungslehrer angeboten hat. Die eigene Rechnung des Kandidaten: 400 geteilt durch 44 Monatsstunden ergibt 9 Euro die Stunde. Unter dem Mindestlohn. Und ohne die Vorbereitung eingerechnet.
Der Fall, erzählt von der Person, die sich das Angebot angehört hat, legt eine Arithmetik offen, die auf keine Weise aufgeht. Vier verschiedene Gruppen — drei mit Kindern und Jugendlichen, eine mit Erwachsenen mit Business-Fokus und mittags angesetzt —, 3 bis 8 Schüler pro Klasse, und ein Stundenplan, der jede Möglichkeit zunichtemacht, den Job mit etwas anderem zu verbinden: Montag und Mittwoch von 14 bis 16 Uhr, das schlechteste mögliche Zeitfenster, um eine andere Stelle anzuschließen.
Die Arbeit, die auf dem Gehaltszettel nicht auftaucht
Der Haken liegt in dem, was nicht im Vertrag steht. Unterricht vorbereiten bedeutet, das Timing zu planen, Materialien zu suchen, sie anzupassen, Aufsätze und Prüfungen zu korrigieren, neue Übungen zu erstellen und das eine oder andere Meeting mit der Schulleitung zu absolvieren. Die Schätzung des Kandidaten selbst: mindestens 20 Stunden pro Woche echte Arbeit. Der tatsächliche Stundenlohn sinkt damit weit unter diese 9 Euro. Manche halten dagegen, ein Lehrer mit Jahren an Erfahrung könne improvisieren und brauche kaum Vorbereitung; dagegen spricht, dass die Erwachsenengruppe Business-Vokabular verlangt, das man nicht aus dem Ärmel schüttelt.
Zu diesem Loch kommt noch das Auto. Bei einem Verbrauch von 6,5 Litern auf 100 Kilometern und Hin- und Rückfahrt an vier Tagen pro Woche frisst der Diesel einen Teil des Gehalts auf, bevor man überhaupt im Klassenzimmer steht. Die komplette Rechnung, Posten für Posten aufgeschlüsselt, lässt eine Marge übrig, die einem schwindlig wird.
Warum zahlt eine Sprachschule 9 Euro die Stunde?
Weil sie es kann. Die Leiterin der Schule gab dem Kandidaten zu, kein Personal zu finden, aber die Antwort war nicht, den Lohn zu erhöhen. Das ist der Kern der Sache: Im spanischen Privatsektor existiert die Klage über fehlende Bewerber reibungslos neben eingefrorenen Konditionen. Angebot und Nachfrage, so das Argument, wirken hier nur in eine Richtung.
Das Profil des Abgelehnten ist kein Anfänger: ein Studium, ein Master für den Sekundarunterricht, ein weiterer Master im Fachgebiet, ein dritter in Spanisch als Fremdsprache in Arbeit, zertifiziertes C1, ein Fortgeschrittenenkurs des SEPE (spanisches Arbeitsamt) und eine Station an der Escuela Oficial de Idiomas (staatliche Sprachenschulen Spaniens). Sein Fazit ist bitter: Wenn dieser Lebenslauf 400 Euro wert ist, liegt das Problem nicht an seinem Wert, sondern am Markt.
Der Vergleich mit anderen ungelernten Jobs taucht immer wieder auf. Essenslieferung, so wird angemerkt, biete null Sorgen außerhalb der Arbeitszeit, null Arbeit zu Hause und Bewegung an der frischen Luft. Und im ersten Jahr als Selbstständiger zahle man kaum Steuern. Die Rechnung gehe besser auf, auch wenn die Arbeit auf dem Papier schlechter ist.
Das Kleingedruckte: 300 Euro ab 2027
Die Pointe kam am Ende des Gesprächs. Die Leiterin fallen ließ, dass Anfang 2027 die Erwachsenenkurse enden und das Gehalt auf rund 300 Euro sinkt. Dafür fielen die Kurse am Montag und Mittwoch weg. Das heißt: weniger Geld für weniger Stunden, ohne dass das Verhältnis besser wird.
Die Episode fügt sich in ein größeres Muster ein, das über das Klassenzimmer hinausgeht. Die Gehälter im spanischen Privatsektor, so das Argument, seien auf fast allen Ebenen schlecht bezahlt, auch an der Spitze: Führungskräfte, renommierte Anwälte und CEOs verdienen einen Bruchteil dessen, was ihre Kollegen in anderen europäischen Ländern bekommen. Die Lebenshaltungskosten sind, weit entfernt von ein Vergleichsschnäppchen zu sein, in vielen Bereichen ähnlich hoch wie in Volkswirtschaften mit deutlich höheren Löhnen.
Die soziale Folge ist der übliche Vorwurf: eine Reservearmee von Bewerbern, die die Löhne am Boden hält. Und eine Frage, die über der ganzen Sache schwebt: Wenn qualifizierte Arbeit 9 Euro die Stunde zahlt, was bleibt dann für die, die keine ist?
Am Ende geht es nicht darum, ob 400 Euro viel oder wenig sind. Sondern darum, wie viel länger ein Arbeitsmarkt sich halten kann, der Menschen mit drei Masterabschlüssen diese Zahlen bietet und zudem erwartet, dass sie sich bedanken. Die Antwort hat vorerst der, der das Angebot abgelehnt hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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