300-Meter-Stier als neues Tourismus-Icon Spaniens geplant

Die Königliche Akademie der Stierkampf-Kultur schlägt einen privat finanzierten 300-Meter-Stier vor. Madrid lehnte ab; die Suche nach einer Gemeinde läuft weiter.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

300-Meter-Stier als neues Tourismus-Icon Spaniens geplant
Ein 300 Meter hoher Stier soll das neue Tourismus-Icon Spaniens werden

Die Königliche Akademie der Stierkampf-Kultur (Academia Española de Tauromaquia) plant, eine 300 Meter hohe Metallskulptur eines Kampfstiers zu errichten und sie zur Haupttouristenattraktion des Landes zu machen. Das Projekt mit dem Namen „El Toro de España“ würde vollständig privat finanziert und den öffentlichen Kassen nichts kosten, so die Initiatoren. Die Idee soll den Effekt des Eiffelturms oder der Freiheitsstatue replizieren: ein Symbol, das Besucher anzieht, Arbeitsplätze schafft und gemeinsame Gewinne für die Gemeinde bringt, die das Land bereitstellt. Madrid war der erste ins Auge gefasste Standort, aber der Stadtrat lehnte die Aufnahme ab. Seitdem sucht die Akademie eine willige Gemeinde.

Was der Komplex des 300-Meter-Stiers umfasst

Das Design sieht Panorama-Aussichtsplattformen auf den Hörnern der Skulptur vor, von denen aus spektakuläre Blicke möglich wären. Zu seinen Füßen würde ein kultur-touristischer Komplex mit Themenrestaurants, Geschäften, Ausstellungsflächen und Aktivitäten rund um den Stierkampf eingerichtet, der durch das Gesetz 18/2013 zum Kulturerbe erklärt wurde. Der Vorschlag zielt nicht nur darauf ab, das Bild Spaniens für internationale Touristen neu zu definieren, sondern auch die kulturelle Rolle des Stiers in der nationalen Identität zu stärken. „Alle Touristen nehmen einen Stier als Souvenir mit. Warum ihnen nicht einen geben, den sie nie vergessen können?“ fasst Jorge Álvarez, Präsident der Akademie, zusammen.

Kritik: geschmacklos, vulgär und sinnlos

Die Aufnahme des Projekts war überwiegend feindselig. Eine Meinungsströmung bezeichnet es als skurril, geschmacklos und vulgär und argumentiert, dass ein Land mit verfallenen Klöstern und unvollendeter Infrastruktur keine Energie für einen metallenen Koloss verschwenden sollte. Einige schlagen vor, Dutzende von Klöstern zu Hotels zu restaurieren oder Geld für Feuerwehrleute bereitzustellen. Eine andere Kritiklinie richtet sich gegen die Symbolik: Sie fragt, warum man einen Stier wählt, wenn es andere kulturelle Referenzen gibt, und weist darauf hin, dass das Wildschwein ein früheres Symbol war und der Stier erst durch Stierkämpfe populär wurde. Es wird auch angemerkt, dass die meisten internationalen Touristen den Stierkampf als barbarisch empfinden, was die Attraktivität des Anziehungspunkts mindern würde.

Das wirtschaftliche Argument: Auch der Eiffelturm wurde kritisiert

Angesichts der ästhetischen Ablehnung ist das am häufigsten wiederholte Argument das Beispiel des Eiffelturms. Als er 1889 errichtet wurde, war der Plan, ihn nach der Weltausstellung abzureißen, und viele hielten ihn für eine Absurdität. Heute ist er das meistbesuchte Monument der Welt und ein Symbol Frankreichs. Verteidiger des riesigen Stiers argumentieren, dass jede Skulptur Fotos anzieht – man betrachte nur Kreisverkehre – und dass eine 300-Meter-Figur als Tourismushub funktionieren würde. Die optimistischste Berechnung geht von Beschäftigung, kommerzieller Aktivität und internationaler Sichtbarkeit aus; das pessimistische Szenario geht davon aus, dass soziale und politische Ablehnung das Projekt ohne Gemeinde lässt, die bereit ist, Land bereitzustellen.

Wo platzieren: Von Gibraltar bis Montes Torozos

Standortvorschläge haben sich vervielfacht, ohne dass eine Einigung erzielt wurde. Elda, Galizien, Gibraltar, Las Ramblas, das Guggenheim, La Sagra, Toro und Montes Torozos wurden genannt, ebenso wie der Retiro-Park oder die Casa de Campo in Madrid. Es wurde auch vorgeschlagen, dass die Skulptur als Leuchtturm für Seefahrer in der Meerenge dienen könnte. Keine Kandidatur hat sich konkretisiert. Das Projekt sucht weiterhin eine Gemeinde, ohne bestätigtes Datum oder Ort.

Das politische Hindernis und der Schatten des Riesen-Buddhas

Die Erfahrung anderer monumentaler Skulpturen nährt den Skeptizismus. Der Fall des Riesen-Buddhas wird als Beispiel für ein pharaonisches Projekt mit unsicherem Ausgang erinnert. Und der Verdacht schwingt mit, dass ohne öffentliche Kosten auch kein politischer Anreiz besteht: Wenn ein Amtsträger nicht davon profitieren kann, gibt es keine Unterstützung. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion befindet sich der Vorschlag noch in der Phase der Suche nach Land und institutioneller Rückendeckung.



Mit privatem Kapital und ohne öffentliche Kosten sollten Gemeinden Schlange stehen für den 300-Meter-Stier. Tun sie nicht. Die Kluft zwischen der Begeisterung des Initiators und der Ablehnung vor Ort ist derzeit das einzige zuverlässige Maß für das Projekt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (115 Antworten).

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